Liebe Traderinnen und Trader,
Microsoft steigt aus einem Rechenzentrums-Vertrag mit dem britischen KI-Cloud-Anbieter Nscale aus. Das meldet Reuters am Sonntag unter Berufung auf einen Zeitungsbericht, Gründe nannte Microsoft nicht.
Nscale hatte erst im vergangenen Monat einen Börsengang in den USA beantragt – mit Microsoft und Anthropic als erwarteten Hauptkunden. Damit ist die Frage für die neue Woche gestellt: Die Zahlenflut vom Mittwochabend muss zeigen, ob die KI-Milliarden bei den Anbietern als Umsatz ankommen. Ich lese diese Woche deshalb nicht von den US-Chipwerten her, sondern vom DAX aus: SAP, Deutsche Börse und das Öl, das über allem liegt.
SAP: Der Mittwochabend entscheidet über den Donnerstag im DAX
SAP legt am Mittwoch, 21. Oktober, um 22:05 Uhr die Zahlen zum dritten Quartal vor. Der DAX kann darauf erst am Donnerstag reagieren, und für mich ist das der wichtigere Termin dieser Woche – wichtiger als die US-Chipbilanzen vom selben Abend.
Das Umfeld ist alles andere als freundlich: Ein Goldman-Sachs-Korb asiatischer KI-Hardwarewerte verlor in der vergangenen Woche 11 Prozent, der stärkste Wochenrückgang seit Mitte Juli. Der US-Halbleiterindex büßte über acht Sitzungen rund 16 Prozent ein. „Die Erzählung im Markt ist ein wenig nervös“, sagt Garrett Melson, Portfoliostratege bei Natixis Investment Managers Solutions.
Die Mechanik dahinter ist simpel. Wenn Finanzierungskosten steigen, strecken Abnehmer ihre Investitionsprogramme, und das zeigt sich zuerst in den Auftragsbüchern der Anbieter. Genau dort liegt die Messlatte für SAP: Der Markt will sehen, dass der Softwarekonzern vom KI-Boom Umsatz bekommt und nicht nur Erwartung.
Bei den großen Ausgebern bleibt die Zuversicht intakt. Die Bank of America bestätigt für Meta, das laut Reuters in der kommenden Woche berichtet, ihr Kaufvotum mit Ziel 810 Dollar, rund zehn Prozent über dem letzten Kurs. Ein Vergleich mit US-Bundesstaaten über 10 Milliarden Dollar drückt bei Meta den Gewinn, nicht die Umsatzerwartung.
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Deutsche Börse: Volatilität ist ihr Geschäft, am Dienstag kommt die Rechnung
Die Deutsche Börse veröffentlicht am Dienstag, 20. Oktober, um 19:00 Uhr ihre Q3-Zahlen, die Analystenkonferenz folgt am Mittwoch um 14:00 Uhr. Auch hier gilt: Die Aktie der Deutschen Börse kann erst am Mittwoch auf die Zahlen reagieren. Im Vorjahresquartal lagen die Nettoerlöse ohne Treasury-Ergebnis bei 1,24 Milliarden Euro, das Jahresziel steht bei 5,70 Milliarden Euro.
Die These ist klar. Wenn die Schwankungen an den Märkten zunehmen, steigt das Handelsvolumen, weil Anleger Positionen umschichten und absichern. Eine Woche mit Chip-Ausverkauf in den USA und einem robusten DAX liefert dafür den Rohstoff – ob er auf der Erlösseite ankommt, zeigt der Dienstagabend.
Den Quervergleich liefert die CME Group am Mittwoch um 13:00 Uhr. Flatexdegiro, das für einen Aktienrückkauf die Genehmigung der Finanzaufsicht einholt, legt am Mittwoch um 18:00 Uhr nach. Am Donnerstag folgen um 07:00 Uhr Sartorius und um 07:30 Uhr Vossloh.
Hormus, Halliburton, Valero: Das Öl setzt den Takt für Zinsen und Energiewerte
Die Iranischen Revolutionsgarden melden, ein Supertanker mit über zwei Millionen Barrel Rohöl sei in der Straße von Hormus auf eine Seemine gelaufen. Es habe eine Explosion und einen Brand gegeben, die Meerenge sei geschlossen.
Unabhängig prüfen ließen sich die Angaben nicht, Centcom und die britische Schifffahrtsbehörde UKMTO äußerten sich zunächst nicht. Die UKMTO berichtete separat über zwei Angriffe auf Tanker vor der saudischen Küste am Freitag.
Außenminister Abbas Araqchi erklärte am Sonntag, Teherans Sieben-Tage-Vorschlag zur Wiedereröffnung liege weiter auf dem Tisch. Zu den Bedingungen Teherans gehören das Ende der US-Blockade iranischer Häfen und die Aufhebung der Sanktionen auf Ölexporte. Brent ging nahe 110 Dollar aus der Woche.
Für Ihr Depot ist das keine Randnotiz. Wenn Öl teurer wird, steigen die Inflationserwartungen, die Renditen ziehen an, und hoch bewertete Wachstumswerte geraten unter Druck, weil künftige Gewinne stärker abgezinst werden. Kanadas Notenbankchef Tiff Macklem kündigte am Samstag eine deutlich höhere Inflationsprognose an.
Die Daten der Woche passen ins Bild. Für die deutschen Erzeugerpreise am Dienstag um 08:00 Uhr erwarten Volkswirte im Schnitt 5,3 Prozent nach 4,6 Prozent im Vormonat.
Am Freitag folgen die Einkaufsmanager, Konsens für die deutsche Industrie 54 nach 53,9, für die Dienstleister der Eurozone 52,8 nach 53. Dazwischen sprechen Bundesbank-Chef Nagel am Mittwoch um 09:15 Uhr und EZB-Präsidentin Lagarde um 18:00 Uhr.
Wer in Halliburton oder Valero Energy positioniert ist, bekommt am Dienstag um 12:45 Uhr beziehungsweise am Donnerstag um 12:30 Uhr Zahlen – mit dem Ölpreis als Rückenwind und dem Hormus-Risiko als Schwankungsquelle.
SoftBank, Peking, Lufthansa: Die Nachrichten vom Wochenende
SoftBank verhandelt laut Bloomberg und Wall Street Journal in einem frühen Stadium über die Übernahme des US-Sicherheitsdienstleisters Allied Universal für bis zu 18 Milliarden Dollar ohne Schulden. Masayoshi Son will bei Allied Universal langfristig Wachpersonal durch Roboter ersetzen, Allied ist in der Rechenzentrumsbranche aktiv.
China plant Exportkontrollen für 40 Schlüsseltechnologien aus KI, Photovoltaik und Biomedizin: Für 14 soll der Export verboten werden, 26 brauchen Genehmigungen, Stellungnahmen sind bis 15. November möglich. Betroffen sind unter anderem Verfahren für Perowskit- und Tandem-Solarzellen.
Dass Peking Schlüsseltechnologien aus der KI reglementieren will, zeigt, wie strategisch das Thema geworden ist. Der Report „Megatrend KI“ nimmt die Top 10 der Big-Data-Unternehmen unter die Lupe und zeigt, wie sich Anleger gezielt in diesem Feld positionieren können – Top-10-Report anfordern
Lufthansa strebt bei TAP inzwischen die vollständige Übernahme an und setzte sich gegen Air France-KLM durch. Im Kryptomarkt herrscht Ruhe: Bitcoin hat sich seit Freitag kaum bewegt, Ether gab leicht nach.
Marschroute
Dienstag 19:00 Uhr Deutsche Börse, Reaktion am Mittwoch. Mittwoch 22:05 Uhr SAP, Reaktion am Donnerstag – für mich der Pflichttermin der Woche. Brent um 110 Dollar bleibt die Marke, an der Zinsängste und Energiewerte gleichzeitig hängen. Die Erzeugerpreise am Dienstagmorgen und die Einkaufsmanager am Freitag rahmen die Woche makroseitig ein. Wer in KI-Werten steckt, braucht nach Microsofts Nscale-Absage harte Umsätze, keine Ankündigungen.
Gute Trades, Ihr Andreas Sommer
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