Der technologielastige NASDAQ 100 blickt auf eine turbulente Handelswoche zurück und steht nun vor einer Phase, die für die weitere Jahresperformance richtungsweisend sein dürfte. Während der Index am Freitag mit einem Minus von 1,45 Prozent bei 28.143,37 Punkten aus dem Handel ging, verlagert sich der Fokus der Anleger nun auf die bevorstehenden Quartalszahlen weiterer Schwergewichte sowie die anstehende Zinsentscheidung der US-Notenbank Federal Reserve. Trotz der jüngsten Kursverluste weist der NASDAQ 100 seit Jahresbeginn noch immer ein Plus von 11,50 Prozent auf.
Skepsis gegenüber KI-Investitionen wächst
Die Stimmung im Technologiesektor wurde zuletzt durch die Quartalsberichte von Alphabet und Tesla getrübt. Insbesondere die massiven Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) rücken verstärkt in das Visier der Marktteilnehmer. Alphabet meldete für das zweite Quartal zwar ein Umsatzwachstum in der Cloud-Sparte von 82 Prozent, verschreckte Investoren jedoch mit einer Anhebung der Investitionsprognose (Capex) auf 195 bis 205 Milliarden US-Dollar für das laufende Jahr. Dies führte zu einem negativen freien Cashflow von 5,8 Milliarden US-Dollar – dem ersten seit dem Börsengang des Unternehmens.
Parallel dazu geriet Tesla unter Druck, nachdem die operative Marge auf 1,4 Prozent eingebrochen war und das Unternehmen einen Investitionsplan von 25 Milliarden US-Dollar für 2026 vorstellte. Diese Zahlen lösten am Markt eine Debatte über das Kosten-Nutzen-Verhältnis der KI-Infrastruktur aus. Ed Yardeni von Yardeni Research sprach in diesem Zusammenhang bereits von einer gewissen „KI-Müdigkeit“, die eine Sektorrotation weg von Halbleiterwerten hin zu defensiveren Branchen wie dem Gesundheitswesen oder Finanzwerten begünstigt hat.
Geldpolitik und Zinsangst als Belastungsfaktoren
Neben den Unternehmenszahlen belastet die Unsicherheit über den künftigen Kurs der US-Geldpolitik die Technologiewerte. Am kommenden Dienstag und Mittwoch tritt die Federal Reserve unter dem neuen Vorsitz von Kevin Warsh zu ihrer nächsten Sitzung zusammen. Marktbeobachter beziffern die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte derzeit auf 38 Prozent. Die Analysten von BNP Paribas halten eine Überraschung durch die Notenbank für möglich, auch wenn der Markt für September eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit für Zinsschritte einpreist.
Zusätzlich sorgten steigende Renditen bei den zehnjährigen US-Staatsanleihen, die zuletzt bei 4,68 Prozent notierten, für Gegenwind für Wachstumsaktien. Geopolitische Spannungen im Nahen Osten trugen ebenfalls zur Volatilität bei, obwohl Berichte über eine Pause der US-Luftschläge gegen den Iran und diplomatische Bemühungen über Vermittler aus dem Oman am Wochenende für eine leichte Entspannung sorgten.
Ausblick auf die kommenden Tech-Giganten
In der kommenden Woche steht der NASDAQ 100 vor einer weiteren Bewährungsprobe, wenn die verbleibenden „Hyperscaler“ ihre Bücher öffnen. Microsoft und Meta werden ihre Ergebnisse am Mittwoch vorlegen, gefolgt von Apple und Amazon am Donnerstag. Anleger werden hierbei besonders darauf achten, ob die hohen Ausgaben für KI-Rechenzentren bereits in entsprechendem Maße auf die Umsatz- und Gewinnentwicklung einzahlen.
Die Erwartungen an die Cloud-Sparte Azure von Microsoft und die Werbeeinnahmen von Meta sind hoch. Gleichzeitig warnte die Ratingagentur Moody’s bereits vor einer Belastung der Cashflows durch die enormen Leasingverpflichtungen für Rechenzentren, die sich bei den großen Tech-Konzernen auf hunderte Milliarden US-Dollar summieren. Sollten die kommenden Berichte die hohen Bewertungen nicht rechtfertigen können, droht dem Index ein weiterer Test der Unterstützungslinien, nachdem Halbleiterwerte wie Nvidia und Broadcom zuletzt ebenfalls von Gewinnmitnahmen betroffen waren.
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