Bessere Quartalszahlen, ein optimistischer Ausblick und ein radikaler Umbau des Geschäftsmodells. Bei Navitas Semiconductor prallen derzeit operative Fortschritte auf eine tiefe Bewertungsdebatte an der Wall Street. Der Halbleiterentwickler verlagert seinen Fokus massiv von schwächelnden Smartphone-Chips hin zu KI-Infrastruktur.
Zum Jahresauftakt übertraf das Unternehmen mit einem Umsatz von 8,6 Millionen US-Dollar die Markterwartungen. Das entspricht einem sequenziellen Wachstum von 18 Prozent. Im Vorjahresvergleich steht allerdings ein massiver Umsatzrückgang in den Büchern. Die anhaltende Nachfrageschwäche im asiatischen Mobilfunkmarkt drückte die Erlöse spürbar.
Radikaler Umbau in Richtung KI
Das Management zieht daraus Konsequenzen und wickelt das Smartphone-Geschäft gezielt ab. Bis zum Jahresende soll dieser Bereich keine nennenswerte Rolle mehr spielen. Stattdessen rückt die KI-Infrastruktur ins Zentrum. Dieser Sektor, der Rechenzentren und Stromnetze umfasst, wuchs im Vergleich zum Vorquartal um beachtliche 50 Prozent.
Trotz des strategischen Schwenks bleibt die Profitabilität eine Baustelle. Der Nettoverlust nach US-GAAP verdoppelte sich nahezu auf knapp 34 Millionen US-Dollar. Belastet wurde das Ergebnis unter anderem durch Abschreibungen auf frühere Übernahmen. Für das laufende zweite Quartal peilt Navitas nun Erlöse von rund zehn Millionen US-Dollar an. Die operative Gewinnschwelle sieht das Management erst bei einem Quartalsumsatz im hohen 30-Millionen-Dollar-Bereich.
Wall Street uneins über Bewertung
Die neuen Zahlen lösten bei Analysten eine Welle von Kurszielanpassungen aus. Die Meinungen gehen dabei weit auseinander:
- Needham: Kursziel von 13,00 auf 21,00 US-Dollar angehoben („Buy“). Die Analysten rechtfertigen dies mit starken Umsatzerwartungen für 2028.
- Rosenblatt Securities: Ziel auf 13,00 US-Dollar erhöht („Neutral“).
- Morgan Stanley: Bestätigt „Underweight“ mit einem Ziel von 13,70 US-Dollar.
Morgan Stanley warnt explizit vor der hohen Bewertung der Aktie. Diese lasse kaum Spielraum für operative Fehler.
Finanziell ist der Halbleiterentwickler für den Umbau gerüstet. Ein Liquiditätspolster von 221 Millionen US-Dollar sichert den laufenden Betrieb ab. Das Geld fließt nun in die nächste Wachstumsphase. Spätestens Anfang 2027 soll die Produktion für neue Hochspannungs-Architekturen anlaufen. Erste Muster für diese Rechenzentrums-Komponenten hat Navitas bereits ausgeliefert. Parallel dazu bereitet das Unternehmen mit GlobalFoundries die US-Fertigung von Galliumnitrid-Chips vor.
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