Die strategische Neuausrichtung auf die Stromversorgung von KI-Rechenzentren prägt derzeit die Entwicklung von Navitas Semiconductor. Während das Unternehmen operativ eine deutliche Erholung für das zweite Halbjahr anvisiert, wird die Nachrichtenlage von juristischen Auseinandersetzungen und gegensätzlichen Analystenkommentaren bestimmt. Gestern erhielt der Wert eine positive Einschätzung durch Needham & Company LLC, was einen Kontrast zur jüngsten Kursentwicklung bildet.

Fokus auf KI-Infrastruktur und Siliziumkarbid

Im Rahmen des Strategieplans „Navitas 2.0“ konzentriert sich das Management verstärkt auf Leistungsanwendungen für Künstliche Intelligenz und Hochvolt-Anwendungen auf Basis von Siliziumkarbid (SiC).

Am Dienstag erläuterten CEO Chris Allexandre und CFO Tonya Stevens auf einer Technologiekonferenz, dass der Umsatz im Bereich der Hochleistungsmärkte, zu denen KI-Rechenzentren und die zugehörige Infrastruktur zählen, im zweiten Quartal 2026 im Jahresvergleich um über 50 Prozent gestiegen ist. Bis zum Ende des laufenden Jahres soll dieser Sektor bereits mehr als ein Drittel des gesamten Umsatzes ausmachen.

Operativ verzeichnete das Unternehmen im am 30. Juni abgeschlossenen zweiten Quartal einen Umsatz von 10,53 Millionen US-Dollar. Zwar entspricht dies einem Rückgang von 27,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, stellt jedoch eine sequentielle Steigerung von 22 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal dar.

Der bereinigte Nettoverlust lag mit 0,04 US-Dollar pro Aktie im Rahmen der Erwartungen. Für das dritte Quartal gab Navitas eine Prognose von 13,5 Millionen US-Dollar (± 0,5 Millionen) aus, was einem weiteren Wachstum von rund 28 Prozent gegenüber dem Vorquartal entsprechen würde.

Patentstreit belastet Verhältnis zu Renesas

Parallel zur operativen Entwicklung führt Navitas Semiconductor eine rechtliche Auseinandersetzung gegen Renesas Electronics Corporation. Das Unternehmen reichte am 10. August Klage vor dem US-Bezirksgericht für den östlichen Distrikt von Texas ein.

Navitas wirft dem Konkurrenten vor, mit den Produktlinien SuperGaN und anderen Galliumnitrid-Produkten (GaN) vier eigene Patente zu verletzen. Die Klage betrifft die US-Patente mit den Nummern 9,929,079, 11,545,838, 11,770,010 und 11,862,996.

Diese Technologie gilt als entscheidend für die Effizienz moderner Leistungshalbleiter, die in kompakten Ladegeräten und Server-Netzteilen verbaut werden. Der Ausgang solcher Verfahren gilt in der Branche oft als langwierig, unterstreicht jedoch die Bedeutung des geistigen Eigentums im wettbewerbsintensiven Markt für GaN-Komponenten.

Analysten zwischen Kaufempfehlung und Skepsis

Das Bild am Kapitalmarkt bleibt gespalten. Gestern bekräftigte das Analysehaus Needham & Company LLC seine Kaufempfehlung für die Aktie und rief ein Kursziel von 21,00 US-Dollar aus. Die Experten stützen ihre Einschätzung auf die jüngsten Management-Präsentationen und das Potenzial der neuen Produktgenerationen.

Ein gegensätzliches Signal kam am Dienstag von Morgan Stanley. Die Analysten senkten ihr Kursziel von 13,70 auf 12,60 US-Dollar und blieben bei ihrer Einstufung „Underweight“, wobei sie auf den allgemeinen Bewertungsdruck im gesamten Sektor für Leistungshalbleiter verwiesen.

Trotz der Unsicherheiten gab es im zweiten Quartal Zukäufe durch institutionelle Investoren. Medienberichten zufolge erwarb die Flossbach Von Storch SE rund 386.030 Anteile, was etwa 0,15 Prozent des Unternehmens entspricht. Auch Old West Investment Management LLC baute im selben Zeitraum eine neue Position von über 427.000 Aktien auf.

An der Börse spiegelte sich die Skepsis zuletzt deutlicher wider. Die Aktie schloss am Freitag bei 11,10 Euro und verzeichnete damit innerhalb der vergangenen sieben Tage ein Minus von 11 %. Mit diesem Rücksetzer notiert das Papier aktuell etwa 14 % unter seinem 50-Tage-Durchschnitt.

Anleger richten ihr Augenmerk nun auf die kommenden Wochen: Navitas hat Teilnahmen an der Jefferies-Konferenz in Chicago für den 25. August sowie an der Technologiekonferenz der Deutschen Bank am 27. August angekündigt, um dort weitere Details zur Wachstumsstrategie zu präsentieren.