Ein Kurssprung von fast neun Prozent am Freitag — und trotzdem bleibt die Frage, was Navitas Semiconductor wirklich wert ist. Das Quartalsergebnis übertraf die Erwartungen, doch die Analysten zeigen sich wenig beeindruckt.

Besser als erwartet, aber schlechter als ein Jahr zuvor

Navitas meldete für das erste Quartal 2026 einen Verlust von 0,04 Dollar je Aktie. Der Konsens lag bei minus 0,05 Dollar. Der Umsatz erreichte 8,6 Millionen Dollar und übertraf die erwarteten 8,22 Millionen Dollar.

Das klingt solide. Im Jahresvergleich brach der Umsatz allerdings um 38,7 Prozent ein. Das relativiert die Überraschung erheblich.

Das Handelsvolumen am Freitag lag 77 Prozent über dem Tagesdurchschnitt. Die Aktie kletterte zeitweise auf 33,82 Dollar, schloss dann bei 31,79 Dollar.

Aktionärsstreit aus der Vergangenheit kehrt zurück

Parallel zu den Quartalszahlen verarbeitet der Markt eine Einigung in einem Rechtsstreit. Der Konflikt geht auf die Fusion mit Live Oak aus dem Jahr 2021 zurück. Im Rahmen des Vergleichs gibt Navitas rund 3,28 Millionen neue Aktien an frühere Aktionäre aus.

Das schafft Klarheit über die Kapitalstruktur. Es bedeutet aber auch Verwässerung für bestehende Anteilseigner. Ein abschließendes Gericht bestätigt die Einigung voraussichtlich im Juli 2026.

Analysten bleiben skeptisch

Neun Analysten beobachten die Aktie. Ihr Konsens lautet „Halten“, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 12,87 Dollar — weit unter dem aktuellen Kurs von 31,79 Dollar.

Die Einzelmeinungen klaffen stark auseinander:

  • Needham & Co. bewertet die Aktie mit „Kaufen“ und einem Kursziel von 21,00 Dollar.
  • Morgan Stanley stuft sie mit „Untergewichten“ ein, Kursziel 13,70 Dollar.
  • Rosenblatt Securities sieht sie bei „Neutral“ mit einem Ziel von 13,00 Dollar.

Kein Analyst liegt auch nur annähernd beim aktuellen Kursniveau. Das ist ein deutliches Signal.

Der Nasdaq legte im Mai 2026 rund acht Prozent zu — getrieben von der Nachfrage nach KI-Infrastruktur. Navitas profitiert von diesem Rückenwind. Ob das die Bewertungslücke zwischen Kurs und Analystenzielen rechtfertigt, klärt sich spätestens mit dem nächsten Quartalsbericht.