Navitas Semiconductor setzt alles auf eine Karte. Der Chiphersteller verabschiedet sich von seinem Geschäft mit Smartphones und setzt stattdessen voll auf die Stromversorgung von KI-Rechenzentren. Die Anleger reagierten am Dienstagmorgen dennoch mit deutlichen Verkäufen auf die neuen Quartalszahlen.

Fokus auf Hochleistungschips

Das Unternehmen steigerte seinen Umsatz im zweiten Quartal 2026 auf 10,53 Millionen Dollar. Im Vergleich zum Vorquartal entspricht das einem Plus von 22 Prozent. Damit übertraf Navitas die Markterwartungen. Besonders das Geschäft mit KI-Infrastruktur boomt: In diesem Segment wuchs der Umsatz um mehr als 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Strategie „Navitas 2.0“ sieht vor, margenschwache Segmente wie Unterhaltungselektronik bis Ende 2026 fast vollständig aufzugeben. Stattdessen konzentriert sich der Vorstand auf Galliumnitrid- und Siliziumkarbid-Technologien. Diese Halbleiter sind für die gewaltigen Energiemengen moderner Rechenzentren optimiert.

Hohe Verluste und Rechtsstreitigkeiten

Ein massiver GAAP-Nettoverlust von 228,2 Millionen Dollar belastet die Bilanz. Diese Summe resultiert vor allem aus hohen Restrukturierungskosten und Rechtsausgaben. Navitas wehrt sich aktuell gegen Patentklagen der Konkurrenten Wolfspeed und Renesas. Das Management spricht von Schikane, stellt sich aber auf dauerhaft höhere Betriebskosten durch die Rechtsstreitigkeiten ein.

Trotz der Verluste verfügt Navitas über ein finanzielles Polster von 557 Millionen Dollar an Barmitteln. Das Unternehmen ist schuldenfrei und nutzt diese Liquidität für den Ausbau der neuen Hochleistungs-Produktlinien. Die Bruttomarge stieg parallel zur Neuausrichtung leicht auf 39,5 Prozent.

Optimistischer Ausblick

Für das dritte Quartal 2026 stellt Navitas einen weiteren Umsatzsprung in Aussicht. Die Erlöse sollen auf bis zu 14 Millionen Dollar steigen. Das entspräche einem erneuten Plus von rund 28 Prozent innerhalb weniger Monate. KI-bezogene Märkte dürften bis zum Jahresende bereits mehr als ein Drittel des Gesamtumsatzes ausmachen.

An der Börse herrscht dennoch Skepsis. Die Aktie rutschte vorbörslich um über sieben Prozent ab und notiert damit etwa 44 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt. Das angepeilte Umsatzziel von bis zu 14 Millionen Dollar im dritten Quartal bildet nun die wichtigste Wegmarke für den Erfolg der Neuausrichtung.