Rosenblatt hat Navitas Semiconductor heute von „Neutral“ auf „Buy“ hochgestuft und ein Kursziel von 13 US-Dollar gesetzt. Das Analysehaus begründet seine Kaufempfehlung mit dem beschleunigten Wachstum im Hochleistungsbereich und der Nachfrage nach Stromversorgung für KI-Prozessoren. Die gestern veröffentlichten Quartalszahlen stützen diese Einschätzung beim Umsatz. Die anhaltenden Verluste begrenzen allerdings die Aussagekraft der Erholung.
Aufträge stärken die Wachstumsthese
Rosenblatt verweist auf ein Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz deutlich über eins. Zudem reicht der Auftragsbestand bis Mitte 2027. Damit beruht die positive Einschätzung nicht allein auf der erwarteten Nachfrage nach KI-Infrastruktur, sondern auch auf bereits vorhandenen Bestellungen.
Für die längerfristigen Chancen spielt die IVR-Technologie von Claros eine wichtige Rolle. Sie soll Navitas für die Stromversorgung von KI-Prozessoren positionieren. Die Claros-Übernahme hatte das Unternehmen vor rund einem Monat abgeschlossen.
Nach Einschätzung von Rosenblatt könnten Designgewinne in den Jahren 2026–2027 das Umsatzwachstum 2028–2029 beschleunigen. Die Analysten setzen damit auf einen mehrjährigen Ausbau des Geschäfts. Die mögliche Wirkung solcher Kundenerfolge ist jedoch eine Erwartung und noch kein realisierter Umsatz.
Der Umbau verändert zugleich die Umsatzstruktur. KI-Infrastruktur soll Ende 2026 voraussichtlich über 40% des Gesamtumsatzes ausmachen. Rosenblatt erwartet, dass die Erlöse mit Mobilgeräten und Konsumgütern Anfang 2027 nahezu null erreichen.
Umsatzanstieg trifft auf hohe Verluste
Die jüngsten Ergebnisse liefern eine Grundlage für die optimistischere Bewertung. Navitas meldete gestern für das dritte Quartal 2026 einen Umsatz von 14,0 Mio. US-Dollar. Gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht das einem Plus von 38%.
Damit gelang erstmals seit längerer Zeit wieder Wachstum im Jahresvergleich. Entscheidend für die weitere Entwicklung ist, ob das Hochleistungsgeschäft den Rückzug aus anderen Bereichen dauerhaft überkompensieren kann. Der Auftragseingang spricht für Nachfrage, ersetzt aber noch keine profitable Umsetzung.
Der GAAP-Nettoverlust belief sich auf 37,1 Mio. US-Dollar. Auf bereinigter Basis lag der Nettoverlust bei 6,9 Mio. US-Dollar. Die bereinigte Bruttomarge erreichte 40,0%.
Die Unterscheidung zwischen den Rechnungslegungsgrößen bleibt deshalb wichtig. Der Umsatzanstieg bedeutet noch keine Rückkehr in die Gewinnzone. Auch die bereinigte Betrachtung weist weiterhin einen deutlichen Fehlbetrag aus.
Für das vierte Quartal 2026 erwartet Navitas einen Umsatz von 16,0 ±0,5 Mio. US-Dollar. Am Mittelpunkt der Prognose entspräche das einem Wachstum von 119% gegenüber dem Vorjahresquartal.
Kostenanstieg bleibt der Gegenpol
Dem erwarteten Wachstum stehen höhere Ausgaben gegenüber. Einschließlich Claros sollen die bereinigten Betriebskosten im Schlussquartal um rund 50% gegenüber dem Vorquartal steigen. Damit dürfte sich der bereinigte Betriebsverlust am Mittelpunkt der Prognose ausweiten.
Der finanzielle Spielraum ist dennoch erheblich. Zum Ende des dritten Quartals verfügte Navitas über 531,5 Mio. US-Dollar an Zahlungsmitteln. Nach dem Claros-Kauf für rund 126 Mio. US-Dollar lag der Bestand auf Pro-forma-Basis bei etwa 405 Mio. US-Dollar.
An der Börse fällt die Reaktion positiv aus: Die Aktie gewinnt heute 9,1%. Die Kaufempfehlung richtet den Blick auf die Chancen des neuen Geschäftsmixes. Für eine nachhaltige Verbesserung der Ertragslage muss Navitas jedoch zeigen, dass die wachsenden KI-Umsätze auch den höheren Kostenblock tragen können.
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