Die Aktie von Navitas Semiconductor Corporation hat am Freitag kräftig zugelegt: Das Papier schloss bei 12,10 Euro, ein Plus von 9,01 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Sieben-Tage-Sicht steht damit ein Zugewinn von 19,80 Prozent. Grund für die Rally ist eine überraschend starke Umsatzprognose für das dritte Quartal, die das Unternehmen am vergangenen Montag vorgelegt hatte.

Umsatz übertrifft Erwartungen, Prognose liegt deutlich über Konsens

Navitas meldete für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von 10,5 Millionen US-Dollar. Das entspricht einem Plus von 22 Prozent gegenüber dem ersten Quartal, lag aber unter dem Vorjahreswert. Die non-GAAP-Bruttomarge belief sich auf 39,5 Prozent, unter dem Strich stand ein non-GAAP-Nettoverlust von 9,3 Millionen US-Dollar. Nach US-GAAP fiel der Verlust mit 228,2 Millionen US-Dollar erheblich höher aus – verursacht durch eine nicht zahlungswirksame Neubewertung einer Earnout-Verbindlichkeit in Höhe von 203,1 Millionen US-Dollar.

Für das dritte Quartal stellte das Unternehmen einen Umsatz von 13,5 Millionen US-Dollar in Aussicht, mit einer Schwankungsbreite von plus/minus 0,5 Millionen US-Dollar. Das entspräche einem Sequenzwachstum von rund 28 Prozent und würde Navitas zurück auf einen Wachstumspfad im Jahresvergleich bringen. Die avisierte non-GAAP-Bruttomarge liegt bei etwa 39,7 Prozent, die operativen Aufwendungen sollen zwischen 15,5 und 17,5 Millionen US-Dollar liegen. Genau diese Guidance hatte die Konsensschätzungen deutlich übertroffen und den Kursanstieg vom Freitag ausgelöst.

AI-Infrastruktur wird zum zentralen Wachstumstreiber

Das Segment der Hochleistungsmärkte wuchs im zweiten Quartal um mehr als 50 Prozent im Jahresvergleich. Nach Unternehmensangaben soll der Bereich AI-Infrastruktur bis zum Jahresende mehr als ein Drittel des Gesamtumsatzes ausmachen. Die Bilanz zeigt sich derweil solide: Zum Ende des zweiten Quartals verfügte Navitas über eine Kassenposition von 557 Millionen US-Dollar. Diese finanzielle Ausstattung gibt dem Unternehmen Spielraum, während es operativ noch defizitär arbeitet.

Parallel zur Quartalsvorlage bestätigte Navitas eine strategische Partnerschaft mit Magnachip Semiconductor. Magnachip lizenziert dabei die GeneSiC-Technologien der vierten und fünften Generation von Navitas, die Spannungsbereiche von 1200 Volt bis über 3300 Volt abdecken. Magnachip erhält damit Zugang zur Lieferkette und zum Materialökosystem von Navitas; die Technologie soll im südkoreanischen Werk von Magnachip portiert, qualifiziert und internalisiert werden. Als Zielanwendungen nannten die Unternehmen Energie- und Netzinfrastruktur, Energiespeicher, industrielle Elektrifizierung sowie Automobilanwendungen.

Analysten senken Kursziele trotz Prognosestärke

Trotz der positiven Guidance reagierten zwei Analysehäuser zurückhaltend. Morgan Stanley-Analyst Joseph Moore senkte am 28. Juli sein Kursziel auf 12,60 US-Dollar von zuvor 13,70 US-Dollar und beließ die Einstufung bei Underweight. Jefferies reduzierte am selben Tagesumfeld, am 27. Juli, das Kursziel auf 13 US-Dollar von 15 US-Dollar bei einer Hold-Einstufung. Beide Häuser sehen demnach trotz der starken Sequenzentwicklung Risiken, etwa im Hinblick auf die weiterhin defizitäre Ertragslage.

Belastend wirkt zudem ein juristischer Konflikt: Der Wettbewerber Wolfspeed reichte am 6. Juli beim US-Bezirksgericht für den Distrikt Delaware eine Patentklage gegen Navitas ein. Details zum Verfahrensstand liegen bislang nicht vor, das Verfahren dürfte Anleger jedoch über die kommenden Monate begleiten.

Die nächsten Quartalszahlen sind für den 2. November 2026 terminiert. Bis dahin wird sich zeigen, ob die für das dritte Quartal in Aussicht gestellte Wachstumsdynamik tatsächlich eintritt und ob der wachsende Beitrag der AI-Infrastruktur den Weg zu einer verbesserten Profitabilität ebnet.