Navitas Semiconductor kämpft mit einem massiven Vertrauensverlust. Ein plötzlicher Abgang an der Führungsspitze trifft auf ein neues Kapitalprogramm. Innerhalb einer Woche brach der Aktienkurs um über 32 Prozent ein.

Flucht aus dem Board

Der Verwaltungsratsvorsitzende Dr. Ranbir Singh legte sein Amt am 9. Juni mit sofortiger Wirkung nieder. Einen offiziellen Grund nannte das Unternehmen nicht. Brisant: Erst Ende Mai verkaufte Singh rund 3,06 Millionen eigene Aktien.

Dieser Schritt nährt Zweifel an der Stabilität des Halbleiterspezialisten. Singh war erst seit November 2024 im Amt. Sein plötzlicher Rückzug hinterlässt eine Lücke in der strategischen Führung.

Druck durch Verwässerung

Hinzu kommt ein neues Aktienverkaufsprogramm. Navitas plant, Anteile im Wert von bis zu 500 Millionen US-Dollar über den Markt zu veräußern. Die Banken UBS, Morgan Stanley und Needham steuern diesen Prozess.

Anleger fürchten nun eine erhebliche Verwässerung ihrer Anteile. Zwar verfügte das Unternehmen zuletzt über 221 Millionen US-Dollar an Barmitteln. Ein operativer Verlust von 27,8 Millionen US-Dollar zehrt jedoch an den Reserven.

Schwache Zahlen bremsen Erholung

Die operative Entwicklung hinkt den Erwartungen hinterher. Im ersten Quartal sank der Umsatz auf 8,6 Millionen US-Dollar. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 14 Millionen US-Dollar.

Für das zweite Quartal rechnet das Management mit einer leichten Steigerung auf 10 Millionen US-Dollar. Die Aktie notiert mit 17,80 Euro weit unter ihrem Jahreshoch von 29,20 Euro. Die Volatilität bleibt mit über 160 Prozent extrem hoch.

Navitas muss nun schnell Transparenz schaffen. Die Neubesetzung des Verwaltungsratsvorsitzes wird zum Lackmustest für die Governance. Erreicht das Unternehmen die prognostizierten 10 Millionen US-Dollar Umsatz im zweiten Quartal nicht, droht ein Test des Jahrestiefs bei 6,15 Euro.