Nebius sorgt derzeit mit zwei gegenläufigen Kapitalmarktbewegungen für Diskussionsstoff: Während Gläubiger bestehender Wandelanleihen in großem Stil in Aktien wechseln, verkaufen Unternehmensinsider seit Monaten kontinuierlich eigene Anteile. Beide Entwicklungen werfen ein Licht darauf, wie unterschiedlich Marktteilnehmer die Bewertung des KI-Infrastrukturanbieters derzeit einschätzen.
Im Zuge der jüngsten Wandelanleihe-Platzierung einigte sich Nebius parallel mit Inhabern bestehender Anleihen auf einen Tausch. Halter der 2,00-Prozent-Wandelanleihen mit Fälligkeit 2029 und der 3,00-Prozent-Papiere mit Fälligkeit 2031 tauschten jeweils 400 Millionen Dollar Nominalvolumen gegen insgesamt rund 15,8 Millionen Class-A-Stammaktien.
Die Transaktion wurde in privat verhandelten Geschäften abgeschlossen, das Settlement war für den 24. August vorgesehen. Für die neuen, größer dimensionierten Anleihen setzte Nebius die Wandlungspreise deutlich über dem damaligen Nasdaq-Kurs von 223,90 Dollar an: Die 2030er-Tranche wandelt bei rund 313,46 Dollar, ein Aufschlag von 40 Prozent, die 2034er-Tranche bei etwa 324,65 Dollar, ein Aufschlag von 45 Prozent.
Insider bauen Positionen weiter ab
Auf der anderen Seite der Bilanz steht ein anhaltender Verkaufstrend im Management. Über die vergangenen zwölf Monate verkauften Unternehmensinsider Aktien im Wert von 171,5 Millionen Dollar, Käufe aus den eigenen Reihen blieben Medienberichten zufolge aus.
Auch Gründer und CEO Arkady Volozh reduzierte seinen persönlichen Bestand im selben Zeitraum um 14 Millionen Dollar. Solche Nettoverkäufe sind bei stark gewachsenen Technologiewerten keine Seltenheit, dennoch bleibt die fehlende Gegenbewegung durch Insiderkäufe ein Punkt, den Anleger im Blick behalten dürften.
Kleinere Personalentscheidungen unterstreichen zugleich, dass Nebius operativ weiter aufbaut: General Counsel Almog Yael erhielt Ende Juli 7.793 Restricted Share Units zu einem Kurs von 218,16 Dollar, die vierteljährlich ab dem 30. September vesten.
Geschäftszahlen liefern das fundamentale Fundament
Hinter den Kapitalmarkttransaktionen steht ein Unternehmen, das im zweiten Quartal kräftig gewachsen ist. Der Umsatz kletterte auf 582,3 Millionen Dollar, ein Plus von 454 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und über dem Analystenkonsens von 572,75 Millionen Dollar. Das bereinigte EBITDA drehte von einem Verlust von 21 Millionen Dollar im Vorjahresquartal auf einen Gewinn von 236,2 Millionen Dollar.
Treiber bleibt das KI-Cloud-Geschäft, das um 514 Prozent auf 575 Millionen Dollar zulegte und damit 98 Prozent des Konzernumsatzes stellt. Nebius bestätigte zudem die Jahresprognose für 2026 und meldete, die erste Kapazitätsauktion für Rechenleistung sei zum höchsten je erzielten Preis für Chips der Blackwell-Generation abgeschlossen worden, 15 Prozent über dem bisherigen Höchstwert.
Kursbild bleibt angespannt
An der Börse zeigt sich das Papier zuletzt schwächer, als die operativen Zahlen vermuten lassen würden. Die Aktie notiert bei 175,58 Euro und liegt damit ein Drittel unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 261,00 Euro. Über die vergangenen 30 Tage verlor der Titel 10 Prozent und rutschte damit auch unter seinen 50-Tage-Durchschnitt von 184,99 Euro.
Zugleich bleibt der langfristige Trend intakt: Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 139 Prozent zu Buche. Die Kombination aus starkem Wachstum, hohem Fremdkapitaleinsatz durch die Wandelanleihen und anhaltenden Insiderverkäufen dürfte die Kursschwankungen vorerst hoch halten.
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