Der Analysehauses DA Davidson hat sein Kursziel für Nebius Group heute von 250 auf 175 US-Dollar gesenkt und die Einstufung auf „neutral“ belassen. Begründet wird der Schritt mit Verzögerungen bei der Fertigstellung von Rechenzentrums-Kapazitäten.

Die Nachricht trifft die Aktie in einer Phase, in der sie ohnehin unter Druck steht: Im deutschen Handel notiert das Papier bei 162,26 Euro, nach einem Rückgang von 12,11 Prozent innerhalb der vergangenen sieben Handelstage. Vom 52-Wochen-Hoch trennen die Aktie inzwischen 37,83 Prozent.

Analystenmeinungen driften weit auseinander

Die Kürzung durch DA Davidson steht im deutlichen Kontrast zu anderen Häusern. Northland Securities hatte sein Kursziel Ende Juli auf 410 US-Dollar angehoben, während Bank of America im Juni bei 280 US-Dollar lag.

Citigroup senkte ihr Ziel Anfang August auf 278 US-Dollar, Piper Sandler startete die Coverage bei 224 US-Dollar, Zacks Research stufte das Papier Ende Juli auf „Hold“ zurück, und Wolfe Research bewertet die Aktie seit April mit „Peer Perform“.

Der Analystenkonsens liegt bei „Moderate Buy“ mit einem durchschnittlichen Kursziel von 216,29 US-Dollar. Diese Streubreite zeigt, wie unterschiedlich die Wachstumsstory des Unternehmens derzeit eingeschätzt wird – zwischen Zukunftsvertrauen und Sorge um die operative Umsetzung.

Ergänzend fällt auf, dass Insider zuletzt 651.704 Aktien im Wert von rund 137,42 Millionen US-Dollar verkauft haben. Solche Verkäufe müssen kein Warnsignal sein, verstärken aber in einem ohnehin nervösen Marktumfeld die Unsicherheit unter Anlegern.

Q2-Zahlen am Mittwoch als Prüfstein

Am kommenden Mittwoch, dem 12. August, legt Nebius vor US-Börsenstart die Zahlen für das zweite Quartal vor. Der Analystenkonsens erwartet einen Umsatz von rund 569,9 Millionen US-Dollar und einen Verlust je Aktie von 0,72 US-Dollar.

Im ersten Quartal hatte das Unternehmen einen Verlust von 0,23 US-Dollar je Aktie ausgewiesen, deutlich weniger als die erwarteten 0,81 US-Dollar, bei einem Umsatz von 399 Millionen US-Dollar – ein Plus von 684 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Sollte sich das Wachstumstempo im zweiten Quartal fortsetzen, könnte das die Zweifel an der Kapazitätsumsetzung zerstreuen, die DA Davidson mit der Kürzung geäußert hat.

Der Motley-Fool-Anlegerdienst verweist in diesem Zusammenhang auf eine Strategieverschiebung hin zu einem asset-leichteren Geschäftsmodell, die dem Unternehmen bis 2030 deutlich höhere Bewertungsniveaus ermöglichen könnte – vorausgesetzt, die kommenden Quartalsberichte belegen, dass gebuchte Kapazität tatsächlich in Umsatz überführt wird.

Nvidia-Beteiligung trifft auf Burry-Short

Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt die Offenlegung, dass Nvidia einen Anteil von 9,3 Prozent an Nebius hält – eine Nachricht, die die Aktie zeitweise deutlich beflügelt hatte. Freedom Capital Markets stufte das Papier daraufhin höher ein.

Gleichzeitig positioniert sich der bekannte Investor Michael Burry mit einer Short-Wette gegen Nebius; der Anteil leerverkaufter Aktien am Streubesitz liegt Berichten zufolge bei 27 Prozent. Diese gegensätzlichen Signale – ein Großinvestor aus der Chip-Branche auf der Käuferseite, ein prominenter Shortseller auf der anderen – verdeutlichen, wie gespalten der Markt die Bewertung des Unternehmens derzeit sieht.

Verschärft wird die Debatte durch Berichte, dass SpaceX seine Zusammenarbeit mit Nvidia bei eigenen KI-Rechenzentren ausweitet und bis 2027 fast zehn Gigawatt Rechenleistung aufbauen will. Sollte dadurch die Verfügbarkeit von Grafikprozessoren knapper werden, könnten Anbieter wie Nebius und CoreWeave, die auf gemieteter GPU-Infrastruktur aufbauen, unter zusätzlichen Druck geraten.

Vor diesem Hintergrund dürfte der Quartalsbericht am Mittwoch weit über reine Umsatzzahlen hinaus Signalwirkung entfalten: Anleger werden vor allem darauf achten, ob das Unternehmen die Verzögerungen bei seinen Einrichtungen einordnen und einen klaren Zeitplan für die Umsetzung seiner Wachstumspipeline liefern kann.