Nebius bekommt in dieser Woche zu spüren, wie unterschiedlich Wall Street und Industriepartner den KI-Infrastruktur-Anbieter derzeit einschätzen. Während das Analysehaus Wall Street Zen die Aktie am Samstag von „Sell“ auf „Strong Sell“ zurückstufte, meldete Nebius parallel einen milliardenschweren Vertrag mit dem Brennstoffzellen-Hersteller Bloom Energy. Die beiden Nachrichten zusammen zeichnen das Bild eines Unternehmens, das operativ expandiert, an der Börse aber unter erhöhtem Misstrauen steht.
Bloom Energy liefert Strom für den KI-Ausbau
Bloom Energy und Nebius AI unterzeichneten eine Vereinbarung über 1,7 Milliarden Dollar zur Versorgung von Rechenzentren mit Brennstoffzellen-Strom direkt am Standort. Der Deal reiht sich in eine parallele strategische Vereinbarung von Bloom Energy mit dem Energiekonzern AEP sowie eine Expansion nach Südkorea mit den Partnern SK Ecoplant und SK Eternix ein. Bloom Energy belieferte zuvor bereits Oracle mit ähnlicher Technik – die Vor-Ort-Stromversorgung gilt inzwischen als einer der größten Engpässe beim weltweiten Ausbau von KI-Rechenzentren. Für Nebius ist der Vertrag ein Baustein der US-Expansion, zu der auch ein geplantes Rechenzentrum in Pennsylvania mit einer Kapazität von bis zu 1,2 Gigawatt gehört.
Analysten uneins, Kurs unter Druck
Die operative Nachricht traf jedoch auf eine kritische Stimmung unter Analysten. Wall Street Zen votierte am Samstag für „Strong Sell“, während Citigroup ihr Kursziel von 287 auf 278 Dollar senkte, aber bei „Buy“ blieb. Morgan Stanley erhöhte sein Ziel von 126 auf 144 Dollar, stuft die Aktie jedoch nur mit „Equal Weight“ ein. Bank of America bestätigte ihr „Buy“-Rating mit einem Kursziel von 280 Dollar. Der Analystenkonsens summiert sich auf „Moderate Buy“ mit einem Zielwert von 221,64 Dollar – eine breite Spanne, die die Unsicherheit über die weitere Bewertung widerspiegelt.
Im deutschen Handel schloss die Nebius-Aktie am Freitag bei 162,56 Euro, ein Minus von 1,49 Prozent auf Tagesbasis. Über die vergangenen 30 Tage hat das Papier 14,18 Prozent verloren und notiert damit 16,91 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt. Belastet hatten zuletzt auch Gerüchte um eine Short-Position des Investors Michael Burry sowie lokaler Widerstand gegen ein geplantes Rechenzentrum in New Jersey – Themen, die die Stimmung rund um den Titel bereits in den vergangenen Tagen eingetrübt hatten.
Goldman Sachs baut Beteiligung weiter aus
Ein weiterer Baustein der Woche: Goldman Sachs meldete per SEC-Formular 13G/A eine Erhöhung seiner passiven Beteiligung an Nebius auf 10,5 Prozent, nachdem zuvor ein Anteil von 7,2 Prozent bekannt geworden war. Die Bank berät Nebius bereits seit Oktober 2024 und strukturierte im Juli eine Schuldfinanzierung über 775 Millionen Dollar. Das wachsende institutionelle Engagement steht in einem gewissen Kontrast zur skeptischen Analystenstimmung und unterstreicht, dass große Finanzinstitute langfristig auf das Geschäftsmodell setzen.
Bewertung bleibt Streitpunkt
Fundamental bleibt Nebius ein Wachstumsfall mit anspruchsvoller Bewertung. Im ersten Quartal steigerte das Unternehmen seinen Umsatz auf 399 Millionen Dollar, ein Plus von 684 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei einem operativen Verlust je Aktie von 0,23 Dollar – besser als der Konsens von minus 0,81 Dollar. Bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 60 liegt die Bewertung deutlich über dem Branchendurchschnitt, was die Diskussion um eine mögliche Überbewertung befeuert. Zusätzlich verkaufte der CEO in der jüngeren Vergangenheit rund 46.600 Aktien zu einem Kurs von 235,45 Dollar – ein Detail, das Kritiker als Warnsignal werten, während Befürworter auf das anhaltend hohe Umsatzwachstum verweisen.
Die nächste Standortbestimmung folgt bald: Am 12. August legt Nebius seine Zahlen zum zweiten Quartal vor, am selben Tag wird auch der US-Verbraucherpreisindex veröffentlicht. Beide Termine dürften zeigen, ob der jüngste Kursrückgang eine Verschnaufpause oder der Beginn einer nachhaltigeren Neubewertung ist.
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