Nebius hat im zweiten Quartal 2026 einen Umsatzsprung vorgelegt, der die eigenen Prognosen bestätigt und zugleich das Ausmaß der Wachstumsdynamik im KI-Cloud-Geschäft verdeutlicht. Der Aktienkurs notiert dennoch spürbar unter seinem Jahreshoch – ein Bild, das Anleger zwischen operativer Stärke und Bewertungsfragen einordnen müssen.

Umsatz vervielfacht sich, Verlust bleibt

Im zweiten Quartal stieg der Konzernumsatz um 454 Prozent auf 582 Millionen US-Dollar, nach 105,1 Millionen US-Dollar im Vorjahreszeitraum. Das Kerngeschäft, die KI-Cloud-Sparte, wuchs sogar um 514 Prozent auf 575 Millionen US-Dollar und macht damit 98 Prozent der Konzernerlöse aus. Das bereinigte EBITDA drehte von einem Verlust von 21 Millionen US-Dollar im Vorjahr auf einen Gewinn von 236,2 Millionen US-Dollar, entsprechend einer Marge von 41 Prozent.

Nebius bekräftigte seine Jahresprognose für 2026: eine annualisierte Umsatzrate von 7 bis 9 Milliarden US-Dollar, einen Konzernumsatz von 3 bis 3,4 Milliarden US-Dollar sowie eine EBITDA-Marge von rund 40 Prozent bei Investitionen zwischen 20 und 25 Milliarden US-Dollar.

Das Unternehmen erhöhte zudem sein Ziel für vertraglich gesicherte Stromkapazität auf 5 Gigawatt bis Jahresende – Kapazitäten, die laut Unternehmensangaben unmittelbar ausverkauft sind, mit Auktionspreisen, die um 15 Prozent gestiegen sind.

Kundenanzahlungen sollen 2026 die Marke von 9 Milliarden US-Dollar übersteigen und damit 50 bis 60 Prozent der Investitionsausgaben abdecken. Im zweiten Quartal schloss Nebius vier Großaufträge mit einem Volumen von im Schnitt jeweils rund 1 Milliarde US-Dollar ab.

Nvidia als Großaktionär im Hintergrund

Im Juli meldete Nvidia im Rahmen einer Schedule-13G-Offenlegung eine passive Beteiligung von 9,3 Prozent an Nebius Group. Die Position umfasst rund 1,19 Millionen Stammaktien sowie etwa 21 Millionen Aktien, die an einen Warrant aus der zuvor angekündigten strategischen Investition Nvidias über 2 Milliarden US-Dollar gebunden sind.

Der Warrant durfte laut der Mitteilung vor dem 11. September 2026 nicht ausgeübt werden – ob eine Ausübung inzwischen erfolgt ist, ist derzeit nicht bestätigt.

CEO Arkady Volozh hatte bereits Anfang Juli 46.627 Class-A-Aktien zu einem Kurs von 235,45 US-Dollar veräußert. Nach eigenen Angaben diente dies ausschließlich der Begleichung von Quellensteuerverpflichtungen im Rahmen fest vorgegebener Anweisungen aus einer Restricted-Share-Unit-Vereinbarung – kein Signal für eine strategische Neubewertung durch das Management.

Kurs unter dem Hoch, operatives Momentum intakt

Trotz der starken Geschäftszahlen notiert die Aktie aktuell bei 196,56 Euro und damit 25 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 261,00 Euro. Auf Monatssicht steht ein Rückgang von 12 Prozent zu Buche, während sich der Titel seit Jahresbeginn dennoch um 167 Prozent verteuert hat.

Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt liegt bei 42 Prozent – ein Hinweis darauf, dass der langfristige Aufwärtstrend trotz der jüngsten Konsolidierung intakt bleibt.

Für Anleger bleibt damit die zentrale Frage bestehen, ob die operative Dynamik – getragen von explodierender KI-Nachfrage, ausverkauften Rechenkapazitäten und milliardenschweren Kundenanzahlungen – die aktuelle Bewertung auf Sicht der kommenden Quartale rechtfertigt.

Die im Juni abgeschlossene Übernahme von Eigen AI, einem Spezialisten für Inferenz- und Modelloptimierung, sowie die im April kolportierten, bislang unbestätigten Gespräche über eine mögliche Übernahme von AI21 Labs deuten darauf hin, dass Nebius sein Portfolio weiter ausbauen will.