Am 22. Juni rückt Nebius in den Nasdaq-100 auf. Das befeuert die ohnehin gewaltige Kursrally der KI-Infrastruktur-Aktie. Passive Indexfonds müssen nun massiv Papiere kaufen. Das treibt den Kurs kurz vor dem Stichtag auf Rekordniveau.

Die Papiere schlossen am Mittwoch bei 244,90 Euro. Allein in den vergangenen zwölf Monaten explodierte der Wert um rund 480 Prozent. Damit notiert die Aktie nur knapp unter ihrem frischen 52-Wochen-Hoch.

Fundamentale Explosion

Hinter dem Börsenhype stehen handfeste Zahlen. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 684 Prozent auf 399 Millionen US-Dollar. Parallel dazu baut das Management die Kapazitäten aggressiv aus. Ein neues KI-Rechenzentrum in Pennsylvania soll zeitnah ans Netz gehen.

Nebius hat sich milliardenschwere Cloud-Verträge für Künstliche Intelligenz gesichert. Das gesamte Auftragsvolumen liegt bei rund 46 Milliarden Dollar. Die wichtigsten Vereinbarungen im Überblick:

  • Meta: Kapazitätsvertrag über 27 Milliarden Dollar
  • Microsoft: Umsatzvereinbarung über 17 Milliarden Dollar
  • Nvidia: Geplantes Investment von 2 Milliarden Dollar bis 2030

Hohe Schulden, teure Zukäufe

Dieses Wachstum verschlingt enorm viel Kapital. Die geplanten Investitionen erreichen eine Größenordnung von über 20 Milliarden Dollar. Die Folge: Der Schuldenberg wächst rasant an. Hinzu kommt die kürzlich abgeschlossene Übernahme von Eigen AI für 643 Millionen Dollar.

Analysten raten mehrheitlich zum Kauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 244 Dollar. Einige Experten sehen den fairen Wert sogar bei 380 Dollar.

Ein Warnsignal liefert indes die Chefetage. Verwaltungsratschef John Boynton verkaufte kürzlich Aktien im Wert von knapp 1,5 Millionen Dollar. Er folgt damit einem breiteren Trend von Insiderverkäufen.

Das Risiko der Überkapazität

Das Unternehmen muss nun fehlerfrei liefern. Nebius baut riesige Rechenzentren und managt komplexe Lieferketten. Bis zum Jahresende soll die kontrahierte Leistung vier Gigawatt erreichen. Das deckt vor allem den Meta-Deal ab. Für das langfristige Ziel von fünf Gigawatt braucht der Konzern bald neue Großkunden.

Die Diskrepanz zwischen gigantischen Investitionen und aktuellen Umsätzen birgt Gefahren. Nebius muss das explosive Wachstum operativ bestätigen. Gelingt das nicht, drohen bei der aktuellen Premium-Bewertung massive Rückschläge. Der Stichtag für die Nasdaq-Aufnahme am kommenden Montag markiert den ersten Härtetest für die neue Flughöhe der Aktie.