Nebius hat einen Teil seiner Wandelanleihen vorzeitig aus der Bilanz genommen. Am Montag tauschte das Unternehmen Anleihen im Gesamtnennwert von 800 Millionen Dollar gegen rund 15,8 Millionen Class-A-Aktien.

Betroffen waren die mit 2,00 Prozent verzinsten Notes mit Fälligkeit 2029 im Volumen von 400 Millionen Dollar sowie die mit 3,00 Prozent verzinsten Notes mit Fälligkeit 2031, ebenfalls über 400 Millionen Dollar.

Der Schritt reduziert die künftige Zinslast des Unternehmens und verschiebt einen Teil der Fälligkeiten von der Fremd- in die Eigenkapitalseite. Für bestehende Aktionäre bedeutet der Umtausch zugleich eine Verwässerung durch die zusätzlichen Aktien – ein Kompromiss, den Nebius angesichts seines massiven Kapitalbedarfs offenbar bewusst eingeht.

Kapitalbedarf bleibt enorm

Der Umtausch fällt in eine Phase, in der Nebius ohnehin tief in der Finanzierung seines Wachstums steckt. Erst wenige Tage zuvor hatte das Unternehmen eine Privatplatzierung von Wandelanleihen mit einem Bruttoerlös von rund 5,75 Milliarden Dollar abgeschlossen, aufgeteilt in mit 0,50 Prozent verzinste Notes mit Fälligkeit 2030 über 3,45 Milliarden Dollar und mit 4,50 Prozent verzinste Notes mit Fälligkeit 2034 über 2,3 Milliarden Dollar. Seit Abschluss dieser Platzierung am vergangenen Sonntag hat die Aktie um 2,6 Prozent nachgegeben.

Der Kapitalhunger hat einen konkreten Grund: Nebius peilt bis Jahresende eine vertraglich gesicherte Rechenzentrumsleistung von 5 Gigawatt an und plant Investitionen zwischen 20 und 25 Milliarden Dollar. Ergänzend hat sich das Unternehmen im August eine erste besicherte Senior-Fremdfinanzierung über 775 Millionen Dollar gesichert, gestützt auf bereits ausgelieferte GPU-Infrastruktur sowie Verträge mit Kunden wie Microsoft und Meta.

Analysten bleiben trotz Verwässerung optimistisch

Die Finanzierungsserie hat die Stimmung unter Analysten zuletzt nicht getrübt. Am 25. August hob Goldman Sachs das Kursziel auf 328 von zuvor 286 Dollar an und bestätigte die Kaufempfehlung. Bereits am 14. August hatte Citi sein Kursziel auf 324 von 278 Dollar erhöht, ebenfalls mit einer Kaufempfehlung.

Getragen wird der Optimismus von den Geschäftszahlen: Im zweiten Quartal 2026 steigerte Nebius seinen Umsatz um 454 Prozent auf 582,3 Millionen Dollar, getrieben von rund 575 Millionen Dollar aus dem KI-Cloud-Geschäft. Das bereinigte EBITDA lag bei 236 Millionen Dollar.

An der Börse zeigt sich das Ausmaß der jüngsten Volatilität deutlich: Der Schlusskurs von 175,92 Euro am Mittwoch liegt 33 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 261,00 Euro, das erst im Juni erreicht wurde. Die Serie aus Kapitalmaßnahmen belegt, wie stark Nebius auf frisches Kapital angewiesen ist, um sein ambitioniertes Ausbautempo zu finanzieren – die Frage für Anleger ist, ob das Umsatzwachstum die wachsende Kapitalbasis auf Dauer rechtfertigt.

Kommende Woche wird sich Nebius Investoren auf zwei großen Bühnen präsentieren: am 8. September auf der Communacopia + Technology Conference von Goldman Sachs und am 9. September auf Citis Global TMT Conference. Beide Auftritte dürften Gelegenheit bieten, die jüngste Finanzierungsstrategie gegenüber institutionellen Investoren zu erläutern.