Nebius Aktie: DA Davidson stuft auf Neutral herab

Nebius verzeichnet Umsatzsprung von 841 Prozent im KI-Cloud-Geschäft, Analysten sehen Kurs jedoch als überhitzt an.

Nebius Aktie
Kurz & knapp:
  • Aktie seit Jahresbeginn um 163 Prozent gestiegen
  • DA Davidson stuft von Kaufen auf Neutral herab
  • KI-Cloud-Umsatz steigt auf 389,7 Millionen Dollar
  • Investitionsplan für 2026 auf 25 Milliarden Dollar erhöht

Nebius wächst mit einem Tempo, das selbst im KI-Infrastrukturmarkt auffällt. Nach starken Zahlen zum ersten Quartal ist die Aktie erneut nach oben geschossen. Genau das spaltet nun die Analysten: Das Geschäft liefert, die Bewertung läuft voraus.

Der Kernkonflikt ist klar. Nebius gewinnt Aufträge, baut Kapazitäten aus und zieht enorme Kundennachfrage an. Der Kurs hat diese Story aber bereits aggressiv eingepreist.

Rally trifft auf Bewertungsgrenze

Nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen legte die Aktie bis Freitag um 23 Prozent zu. Seit Jahresbeginn summiert sich das Plus auf 163 Prozent. Für DA Davidson war das zu viel Tempo.

Die Bank stufte Nebius von „Buy“ auf „Neutral“ ab, ließ das Kursziel aber bei 250 Dollar. Bemerkenswert ist der Grund: Nicht das operative Geschäft steht in der Kritik, sondern die kurzfristig ausgereizte Bewertung.

Nur wenige Tage zuvor hatte DA Davidson das Kursziel noch von 200 auf 250 Dollar angehoben. Das zeigt, wie schnell die Aktie den Analysten davongelaufen ist. Nach dem Kurssprung notierte Nebius zeitweise bereits nahe an den frisch angehobenen Erwartungen.

Operativ bleibt DA Davidson optimistisch. Der Analyst rechnet mit einem Umsatzanstieg von rund 534 Millionen Dollar im Jahr 2025 auf 3,36 Milliarden Dollar im Jahr 2026 und mehr als 10,6 Milliarden Dollar im Jahr 2027. Als Bremse gilt aber der Bewertungsaufschlag gegenüber dem Auftragsbestand.

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KI-Cloud bleibt der Wachstumsmotor

Die Fundamentaldaten liefern reichlich Stoff für die Bullen. Das Kerngeschäft mit KI-Cloud-Diensten erzielte im Quartal 389,7 Millionen Dollar Umsatz, ein Plus von 841 Prozent zum Vorjahr. Dieses Segment stand für rund 98 Prozent der Konzernerlöse.

Auch die laufende Umsatzbasis zieht stark an. Die annualisierte Run-Rate lag Ende März bei 1,92 Milliarden Dollar, 674 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Gegenüber Ende Dezember betrug der Anstieg 54 Prozent.

Nebius erhöht parallel dazu die Ambitionen beim Ausbau der Rechenzentrumskapazitäten. Bis Ende 2026 erwartet das Unternehmen nun vertraglich gesicherte Stromkapazitäten von 4 Gigawatt, nachdem im Mai noch 3 Gigawatt in Aussicht standen.

Das ist mehr als eine technische Kennzahl. Ohne gesicherte Energieversorgung lassen sich die Rechenzentren nicht hochfahren, und ohne diese Kapazität bleiben Hyperscaler-Verträge zunächst Auftragsbestand statt Umsatz. Nebius will im dritten und vierten Quartal mit der Bereitstellung zusätzlicher Cloud-Kapazitäten für diese Kunden beginnen.

Morgan Stanley bleibt vorsichtig

Morgan Stanley erhöhte das Kursziel von 126 auf 144 Dollar, bleibt aber bei „Equal-weight“. Die Analysten verweisen auf bessere Umsetzung, stärkere Preise, schnelleren Kapazitätsfortschritt und eine Nachfrage, die weiter über dem verfügbaren Angebot liegt.

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Trotzdem liegt das Kursziel deutlich unter dem aktuellen Börsenniveau. Genau hier zeigt sich die Spaltung am Markt: Die operative Dynamik überzeugt, aber konservativere Bewertungsmodelle kommen dem Kurs nicht hinterher.

Nebius hat seine Investitionsplanung für 2026 deutlich angehoben. Die Capex-Prognose liegt nun bei 20 bis 25 Milliarden Dollar, zuvor waren 16 bis 20 Milliarden Dollar vorgesehen. Morgan Stanley führt das vor allem auf höhere Kapazitätserwartungen für 2027 zurück, nicht auf steigende Komponentenpreise.

Finanziell ist der Konzern dafür gut ausgestattet. Zum Quartalsende verfügte Nebius über mehr als 9 Milliarden Dollar an Barmitteln. Im ersten Quartal flossen 6,3 Milliarden Dollar zu, darunter eine NVIDIA-Beteiligung über 2 Milliarden Dollar sowie Mittel aus Wandelpapieren.

Kurzfristig droht ein Dämpfer

Nicht alle Signale sprechen für eine nahtlose Fortsetzung der Rally. Finanzchef Dado Alonso rechnet im zweiten Quartal mit einem vorübergehenden Margenrückgang. Der Kapazitätsaufbau ist in diesem Jahr stark auf die zweite Jahreshälfte verlagert.

Das kann die Optik der Zahlen kurzfristig belasten. Umsatz und Ergebnis dürften sequenziell unruhiger ausfallen, bevor neue Kapazitäten in größerem Umfang greifen. Kein Wunder, dass einige Marktteilnehmer nach dem steilen Lauf Gewinne sichern.

Am 25. Mai 2026 bewegte sich die Aktie zwischen 210,73 und 221,92 Dollar und notierte zuletzt bei 213,29 Dollar. Trotz des Rücksetzers bleibt seit Jahresbeginn ein Plus von fast 140 Prozent stehen.

Der langfristige Rahmen ist intakt: Nebius verweist auf fest zugesagte Verträge im Volumen von 46 Milliarden Dollar und peilt bis Ende 2030 aktive Rechenzentrumskapazitäten von 5 Gigawatt an. Die nächste Bewährungsprobe kommt mit dem zweiten Quartal: Schwächere Margen wären keine Überraschung, entscheidend wird die Umsetzung der Kapazitätslieferungen im dritten und vierten Quartal.

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