Der Countdown läuft. Am 22. Juni tritt Nebius offiziell dem Nasdaq-100 bei — und der Markt bereitet sich bereits vor. Die Aktie legte am Freitag um 4,49 Prozent auf 200,60 Euro zu. Seit Jahresbeginn summiert sich das Plus auf 162 Prozent.

Mechanischer Kaufdruck vorprogrammiert

Der Nasdaq-100 ist an mehr als 200 Produkte mit über 800 Milliarden Dollar verwaltetem Vermögen geknüpft. Jeder passive Fonds und ETF, der den Index abbildet, muss Nebius-Aktien vor dem 22. Juni kaufen. Das schafft strukturellen Kaufdruck in den verbleibenden Handelstagen.

Nebius tritt gemeinsam mit Astera Labs, CoreWeave, Rocket Lab und Teradyne in den Index ein. Unter den fünf Neuzugängen führt Nebius bei der Jahresperformance.

Analysten uneins über den fairen Wert

Das Bild auf Wall Street ist gespalten. Goldman Sachs erhöhte sein Kursziel auf 267 Dollar und hält an „Buy“ fest. Citi bleibt ebenfalls bei „Buy“ mit einem Ziel von 287 Dollar. Bank of America hob das Ziel auf 280 Dollar an. Morgan Stanley dagegen sieht die Aktie nur bei 144 Dollar und bewertet sie mit „Hold“.

BNP Paribas startete die Abdeckung am 2. Juni mit „Neutral“ und einem Ziel von 255 Dollar. Die Begründung: Der jüngste Kursanstieg begrenze das weitere Aufwärtspotenzial. Das Umsatzwachstum sei zwar stark, die Erwartungen aber bereits sehr optimistisch eingepreist.

Insider verkaufen, niemand kauft

Ein weiteres Signal gibt zu denken. In den vergangenen zwölf Monaten gab es keinen einzigen Insiderkauf — wohl aber zwölf Verkäufe. CTO Danila Shtan trennte sich am 4. Juni im Rahmen eines vorab festgelegten 10b5-1-Plans von 15.678 Aktien. CRO Marc Boroditsky verkaufte am 2. Juni 10.776 Aktien zu durchschnittlich 276,20 Dollar.

Kein Kauf, zwölf Verkäufe. Das ist kein Beweis für mangelndes Vertrauen ins Unternehmen — aber es erhöht die Anfälligkeit für Stimmungsumschwünge, sollten die KI-Euphorie oder die Indexzuflüsse nachlassen.

Operativ läuft das Geschäft auf Hochtouren

Das Fundamentalbild bleibt stark. Im ersten Quartal 2026 wuchs der Umsatz auf 399 Millionen Dollar — ein Anstieg um das 6,8-Fache gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das KI-Cloud-Geschäft macht inzwischen rund 98 Prozent des Umsatzes aus.

Nvidia hat zwei Milliarden Dollar strategisch in Nebius investiert. Das sichert den Zugang zu künftigen GPU-Plattformen, darunter Vera Rubin. Nebius will die Rubin-Architektur ab der zweiten Jahreshälfte 2026 über seine Cloud-Dienste anbieten — als einer der ersten Anbieter weltweit.

Hinzu kommen Kapazitätszusagen an Meta und Microsoft sowie ein erstes Gigawatt-Projekt in den USA. Partnerschaften mit Bloom Energy und die Übernahme von Eigen runden den Ausbaukurs ab.

Vom 52-Wochen-Hoch bei 242,95 Euro ist die Aktie noch 17 Prozent entfernt. Ob der mechanische Kaufdruck vor dem 22. Juni reicht, um diese Lücke zu schließen, hängt davon ab, wie viel des Indexeffekts der Markt bereits eingepreist hat.