Nebius liefert eine der stärksten Wachstumsraten der gesamten KI-Infrastrukturbranche. Trotzdem stuft eine große Investmentbank die Aktie nur auf „Neutral“. Der Grund: eine öffentliche Anhörung in New Jersey, die über die nächste Ausbaustufe eines wichtigen Rechenzentrums entscheidet.
Die Nebius-Aktie schloss am Dienstag bei 195,96 Euro, ein Plus von 6,14 Prozent an einem einzigen Handelstag. Über sieben Tage summiert sich der Anstieg auf gut 51 Prozent. Damit bleibt der Titel zwar noch rund 25 Prozent unter seinem Rekordhoch von 261,00 Euro aus dem Juni. Seit dem 52-Wochen-Tief von 47,40 Euro im vergangenen August hat sich der Kurs aber mehr als vervierfacht.
Piper Sandler sieht CoreWeave im Vorteil
Der Kurssprung fällt mit einer neuen Analyse von Piper Sandler zusammen. Analyst James Fish nahm sowohl Nebius als auch den Konkurrenten CoreWeave erstmals in die Bewertung auf. CoreWeave erhält ein „Overweight“-Rating mit einem Kursziel von 151 Dollar, Nebius dagegen nur „Neutral“ mit einem Kursziel von 224 Dollar.
Fish lobt ausdrücklich das Geschäftsmodell von Nebius. Er hebt das „kapitalschonende Skalierungsmodell“ hervor, dazu die hauseigene Software-Plattform Soperator zur Steuerung großer KI-Workloads. Auch die Praxis, Vorauszahlungen von Kunden einzusammeln, wertet er positiv. Bis 2028 traut er dem Unternehmen einen jährlich wiederkehrenden Umsatz von mehr als 25 Milliarden Dollar zu.
Trotz dieser optimistischen Langfristprognose bleibt Fish bei den kurzfristigen Aussichten vorsichtig. Er warnt vor „Risiken für die Schätzungen auf kurze Sicht“ — vor allem im Hinblick auf ein anstehendes Update zum Rechenzentrum in Vineland. CoreWeave biete beim aktuellen Kursniveau das bessere Chance-Risiko-Verhältnis, so der Analyst.
Die Anhörung als Unsicherheitsfaktor
Der Grund für die Zurückhaltung ist konkret. Nebius hält einen Anteil an einem neuen Rechenzentrum, das der Projektentwickler DataOne in Vineland, New Jersey, baut. Nebius wird dort die Server besitzen, die erste Bauphase steht kurz vor dem Abschluss.
Am 5. August tagt die Planungsbehörde von Vineland. Auf der Agenda stehen aktualisierte Pläne für die kommenden Bauphasen der Anlage. Für Piper Sandler ist genau dieses Treffen der Kipppunkt, der entscheidet, wie viel Vertrauen Investoren aktuell in den Wachstumsfahrplan von Nebius setzen sollten.
Die Wall Street insgesamt bleibt trotz dieser Vorsicht optimistischer als Piper Sandler. Elf Analysten kommen im Konsens auf ein „Moderate Buy“-Rating, sieben empfehlen den Kauf, vier raten zum Halten.
Starke Zahlen, starker Sektor
Der Kursanstieg speist sich nicht nur aus der neuen Analystencoverage. Am Montag zogen Aktien anderer sogenannter Neocloud-Anbieter mit, nachdem Microsoft, Amazon, Apple und Meta allesamt starke Quartalsumsätze meldeten. Der Nasdaq legte um 1,35 Prozent zu, der S&P 500 um 1,10 Prozent.
Die eigenen Geschäftszahlen von Nebius untermauern die Euphorie. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026 wuchs der Umsatz um 684 Prozent im Jahresvergleich auf 399 Millionen Dollar. Das übertraf die Erwartungen der Analysten um gut 10 Millionen Dollar.
Enger Terminplan im August
Für Nebius-Investoren wird der August zur Belastungsprobe. Das Unternehmen hat bereits bestätigt, die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 am Mittwoch, den 12. August, vor Börseneröffnung zu veröffentlichen. Eine Telefonkonferenz ist für 8:00 Uhr Ostküstenzeit angesetzt.
Diese Veröffentlichung folgt nur wenige Tage auf die Planungssitzung in Vineland. Der Markt wird beide Termine als Test dafür lesen, ob Nebius mit dem aggressiven Kapazitätsausbau Schritt halten kann, den die aktuelle Bewertung bereits einpreist.
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