Die Aktionäre von Nebius haben auf der Hauptversammlung am 25. August alle vorgelegten Beschlussvorlagen gebilligt. Die Zustimmung fiel in eine Woche, in der das Unternehmen zugleich eine der größten Finanzierungsrunden seiner Geschichte abschloss – und damit stellt sich für Anleger die Frage, ob die frische Liquidität die Aktie tragfähig macht oder die Verwässerungssorgen überwiegen.
Wandelanleihe als Fundament der Wachstumsstrategie
Am vergangenen Montag schloss Nebius die Platzierung von Wandelschuldverschreibungen mit einem Bruttoerlös von 5,75 Milliarden Dollar ab. Das Volumen setzt sich aus 3,45 Milliarden Dollar an mit 0,50 Prozent verzinsten Notes mit Fälligkeit 2030 sowie 2,3 Milliarden Dollar an mit 4,50 Prozent verzinsten Notes mit Fälligkeit 2034 zusammen.
Ursprünglich war eine Emission über 4,5 Milliarden Dollar geplant, die im Zuge der Nachfrage zunächst auf 5,0 Milliarden und schließlich auf das finale Volumen aufgestockt wurde.
Parallel zur Preisfestsetzung tauschte Nebius Anleihen im Volumen von jeweils 400 Millionen Dollar aus den bestehenden 2029er- und 2031er-Wandelanleihen gegen rund 15,8 Millionen Class-A-Aktien. Die Kombination aus frischem Fremdkapital und Aktientausch sorgte kurzzeitig für Verwässerungssorgen: Medienberichten zufolge gab die Aktie im Zuge dessen zeitweise um 3,33 Prozent nach, ehe sie sich seither wieder um 1,8 Prozent erholte.
Operatives Geschäft liefert die Gegenrechnung
Die Kapitalaufnahme steht nicht isoliert da, sondern begleitet ein Quartal mit außergewöhnlichem Wachstum. Nebius steigerte den Umsatz im zweiten Quartal 2026 um 454 Prozent auf 582 Millionen Dollar. Das bereinigte EBITDA drehte von einem Verlust von 21 Millionen Dollar im Vorjahresquartal auf einen Gewinn von 236,2 Millionen Dollar.
Im selben Zeitraum schloss das Unternehmen vier KI-Cloud-Verträge mit einem durchschnittlichen Gesamtvolumen von jeweils über einer Milliarde Dollar ab.
Für das Gesamtjahr 2026 bekräftigte Nebius seine Umsatzprognose von 3,0 bis 3,4 Milliarden Dollar bei einer bereinigten EBITDA-Marge von rund 40 Prozent. Gleichzeitig erhöhte das Unternehmen seine Investitionserwartung für das laufende Jahr auf 20,0 bis 25,0 Milliarden Dollar – ein Betrag, der die frische Anleihefinanzierung erklärt und zugleich zeigt, wie kapitalintensiv der Ausbau der KI-Infrastruktur bleibt.
Analysten sehen weiteres Potenzial
Am selben Tag wie die Hauptversammlung hob Goldman-Sachs-Analyst Alexander Duval sein Kursziel für Nebius von 286 auf 328 Dollar an und bestätigte die Kaufempfehlung. Die Anhebung fiel damit unmittelbar in die Woche, in der Nebius sowohl die Finanzierung abschloss als auch die aktionärsrechtliche Rückendeckung für seinen Expansionskurs erhielt.
Die Aktie notierte zuletzt bei 180,88 Euro und damit rund 2,3 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 185,10 Euro – ein Hinweis darauf, dass der Markt die Verwässerungseffekte der Wandelanleihe noch nicht vollständig verdaut hat, während das operative Wachstum die mittelfristige Bewertungsbasis stützt.
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