Die Aktie von Nel ASA ist zwischen dem 12. und 20. August um rund 18 Prozent gefallen. Auslöser war eine anhaltend negative Reaktion des Marktes auf die vor über einem Monat veröffentlichten Quartalszahlen, verstärkt durch ein technisches Verkaufssignal, das am 19. August ausgelöst wurde. Der norwegische Wasserstoffkonzern kommt damit nicht zur Ruhe – die Q2-Bilanz wirkt Wochen nach ihrer Veröffentlichung noch immer als Belastung für den Kurs.

Technisches Bild trübt sich weiter ein

Am 21. August meldeten technische Analyseindikatoren sowohl für kurz- als auch für langfristige gleitende Durchschnitte Verkaufssignale. Der technische Score lag bei 0,00, die Einstufung bewegte sich zwischen „Halten“ und „Akkumulieren“.

Solche automatisierten Bewertungen ersetzen keine fundamentale Einschätzung, sie zeigen aber, dass kurzfristig orientierte Marktteilnehmer derzeit wenig Zuversicht in eine schnelle Erholung haben. Zum Wochenschluss notierte die Aktie bei 0,1960 Euro, nach einem Minus von 3,2 Prozent auf Sicht von sieben Tagen – ein Beleg dafür, dass sich der Abwärtsdruck aus der ersten Augusthälfte fortsetzt.

Die Zahlen, die den Kurs weiter belasten

Zur Erinnerung: Nel ASA hatte vor über einem Monat einen Umsatzrückgang aus Kundenverträgen von 12 Prozent auf 153 Millionen Kronen ausgewiesen, während sich der EBITDA-Verlust von 86 auf 155 Millionen Kronen ausweitete.

Unter dem Strich stand ein Nettoverlust von 189 Millionen Kronen, belastet auch durch eine Vergleichszahlung von 70 Millionen Kronen im Rechtsstreit mit Iwatani Corporation of America. Der Kassenbestand schmolz binnen eines Jahres von 1,93 Milliarden auf 1,33 Milliarden Kronen zum 30. Juni.

Positiv stach der Auftragseingang hervor, der im zweiten Quartal um 224 Prozent auf 230 Millionen Kronen sprang. Der Gesamtauftragsbestand von 1,21 Milliarden Kronen blieb jedoch leicht unter dem Vorjahresniveau.

Diese Diskrepanz zwischen kurzfristig starkem Neugeschäft und schrumpfender operativer Substanz dürfte erklären, warum die Aktie trotz des Auftragssprungs unter Druck bleibt: Anleger gewichten offenbar die roten Zahlen und den sinkenden Kassenbestand schwerer als die Wachstumssignale im Neugeschäft.

Analysten uneins über die Bewertung

Die Skepsis institutioneller Beobachter spiegelt sich in den jüngsten Kurszielanpassungen wider. JPMorgan hatte bereits vor rund zwei Wochen sein Kursziel für Nel ASA auf 1,80 norwegische Kronen von zuvor 2,90 Kronen gesenkt und die Einstufung „Neutral“ damals bestätigt.

Dem gegenüber steht eine deutlich optimistischere Sicht: Das Analysehaus GBC Research hatte am 18. August eine Kaufempfehlung für Nel ASA mit einem Kursziel von 0,48 Euro ausgesprochen und dabei den kräftigen Anstieg des Auftragseingangs trotz schwacher Quartalsergebnisse als Argument angeführt. Die Spanne der Einschätzungen zeigt, wie unterschiedlich Markbeobachter das Chancen-Risiko-Verhältnis derzeit bewerten.

Blick nach vorn

Für Anleger bleibt die Aktie auch charttechnisch angeschlagen: Der Kurs notiert 4,3 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt, was die kurzfristige Schwäche unterstreicht. Ob sich das Bild aufhellt, dürfte maßgeblich vom nächsten Quartalsbericht abhängen.

Nel ASA hat den Termin für die Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal 2026 auf den 21. Oktober terminiert. Bis dahin bleibt der Auftragseingang der wichtigste Hoffnungsträger, während der operative Verlust und die schrumpfende Liquidität die Risikoseite dominieren.