Bei Nel ASA ist es derzeit auffallend still – und genau das ist die Nachricht. Nach einem schwachen zweiten Quartal und der Ankündigung eines Führungswechsels wartet der norwegische Wasserstoff-Konzern auf neue Impulse. Am Aktienmarkt spiegelt sich diese Wartephase in einem Kurs wider, der sich seit Wochen unterhalb seiner mittelfristigen Durchschnittslinien bewegt.

Schwache Zahlen als Ausgangspunkt

Den Ton für die aktuelle Lage hatte der Bericht zum zweiten Quartal vorgegeben, den Nel ASA Mitte Juli vorlegte. Die Erlöse aus Kundenverträgen sanken auf 153 Millionen Kronen und lagen damit 12 Prozent unter dem Vorjahreswert. Die gesamten Umsätze und Erträge fielen von 215 auf 182 Millionen Kronen. Unter dem Strich stand ein Nettoverlust von 189 Millionen Kronen, nach einem Minus von 131 Millionen Kronen im entsprechenden Vorjahresquartal – maßgeblich getrieben durch ein operatives Defizit von 205 Millionen Kronen.

Positiver fiel der Blick auf den Auftragseingang aus: Mit 230 Millionen Kronen erreichte er mehr als das Dreifache des Vorjahreswerts. Der Auftragsbestand belief sich zum Quartalsende auf 1.213 Millionen Kronen, die Kassenposition auf 1.328 Millionen Kronen. Diese Zahlen liefern zwar Substanz für eine mögliche Erholung, sie ändern aber nichts an der operativen Schwäche der vergangenen Monate.

Führungswechsel ohne festen Termin

Parallel zu den Geschäftszahlen bestätigte Konzernchef Håkon Volldal während der Telefonkonferenz Mitte Juli seinen bereits Mitte Juni angekündigten Rückzug. Volldal, der seit Juli 2022 an der Spitze von Nel ASA steht, verlässt das Unternehmen, um eine andere berufliche Gelegenheit wahrzunehmen. Er hat eine sechsmonatige Kündigungsfrist und bleibt bis zur Bestellung eines Nachfolgers im Amt. Der Verwaltungsrat hat die Nachfolgersuche eingeleitet, ein Ergebnis steht bislang aus.

Diese offene Personalie dürfte einer der Gründe sein, warum sich am Kapitalmarkt derzeit kaum neue Impulse für die Aktie ergeben. Investoren scheinen abzuwarten, wie sich die Führungsfrage klärt, bevor sie sich neu positionieren.

Aktie zwischen Jahrestief und altem Hoch

Der Kurs schloss am Freitag bei 0,1994 Euro und legte damit im Tagesvergleich um 1,63 Prozent zu. Auf Sicht von zwölf Monaten steht ein moderates Minus von 1,97 Prozent, seit Jahresbeginn dagegen ein Plus von 5,61 Prozent – die Aktie bewegt sich also grob auf dem Niveau, mit dem sie ins Jahr gestartet ist. Deutlich wird die Distanz zur besseren Stimmungslage vom Frühjahr: Zum 52-Wochen-Hoch von 0,3655 Euro, erreicht Ende Mai, fehlen aktuell 45,44 Prozent. Zum 200-Tage-Durchschnitt von 0,2143 Euro liegt der Kurs 6,95 Prozent zurück, was die anhaltend gedämpfte mittelfristige Tendenz unterstreicht.

Unabhängig vom Führungswechsel hatte Nel ASA im Mai mit der PA-Series eine neue Generation seiner druckbeaufschlagten alkalischen Elektrolyseur-Plattform kommerziell eingeführt – ein Technologiesprung, der laut Unternehmensangaben Kosten, Effizienz und Skalierbarkeit der Wasserstoffproduktion verbessern soll. Zudem hatte Verwaltungsratsvorsitzender Arvid Moss im April 100.000 eigene Aktien zu einem Durchschnittskurs von 2,2547 Kronen erworben – ein Signal, das freilich schon einige Monate zurückliegt.

Der nächste konkrete Prüfstein folgt erst im Herbst: Am 21. Oktober will Nel ASA seinen Quartalsbericht veröffentlichen. Bis dahin dürfte die Aktie in der aktuellen Bandbreite verharren, sofern nicht überraschend Neuigkeiten zur Nachfolgeregelung an der Konzernspitze auftauchen.