Nel ASA steht vor einer entscheidenden Woche. Am Mittwoch, den 15. Juli, legt der norwegische Wasserstoffkonzern seine Zahlen zum zweiten Quartal vor. Erschwert wird die Lage durch eine unerwartete Personalie: Erst kürzlich hatte das Unternehmen den Abgang von CEO Håkon Volldal bekanntgegeben.

Die Aktie schloss am Freitag bei 0,21 Euro, ein leichtes Plus von 0,49 Prozent. Das täuscht über die eigentliche Entwicklung hinweg: Binnen 30 Tagen hat das Papier fast 15 Prozent verloren. Vom Jahreshoch bei 0,37 Euro, erreicht im Mai, trennen die Aktie mittlerweile 43 Prozent.

Führungswechsel trifft auf angespannte Zahlenlage

Der Zeitpunkt für einen CEO-Wechsel könnte kaum ungünstiger sein. Anleger müssen nun gleich zwei Unsicherheiten verdauen: die Quartalszahlen selbst und die Frage, wer Nel ASA künftig strategisch führt.

Im Fokus stehen dabei vor allem der Auftragsbestand und die Margen. Auf Zwölfmonatssicht steht bei Nel ASA ein Minus von 16 Prozent zu Buche. Das spiegelt ein Problem wider, das die gesamte Branche der reinen Wasserstoff-Unternehmen betrifft: Hohe Zinsen belasten kapitalintensive Projekte besonders stark.

Die Branche bewegt sich – Nel ASA muss folgen

Während Nel ASA selbst am Wochenende keine neuen Aufträge vermeldete, zeigt der grüne Wasserstoffsektor insgesamt Lebenszeichen. Am 12. Juli bestätigten Berichte, dass Industrie De Nora den finalen Zuschlag für das Moeve-Projekt in Andalusien erhalten hat. Die Anlage soll 300 Megawatt leisten, der Auftragswert liegt zwischen 30 und 40 Millionen Euro.

Parallel dazu haben Südafrika und die Europäische Union die „Clean Trade and Investment Partnership“ gestartet. Das Ziel: Bis 2030 sollen jährlich 500.000 Tonnen grüner Wasserstoff produziert werden, bei Produktionskosten von nur noch 1,60 Dollar pro Kilogramm. Solche Initiativen zeigen, dass international Infrastruktur für Wasserstoff entsteht. Ob Nel ASA von diesen Großprojekten profitieren kann, muss das Unternehmen aber erst noch beweisen.

Charttechnik zeigt überverkaufte Zone

Charttechnisch bewegt sich Nel ASA in heikler Zone. Der Kurs liegt unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 0,26 Euro und auch unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 0,22 Euro. Der 14-Tage-RSI steht bei 36,4 – die Aktie nähert sich damit überverkauftem Terrain, was gegen Quartalszahlen oft antizyklische Investoren anlockt.

Die Marken für die kommende Woche sind klar gesteckt:

  • Unterstützung: Das 52-Wochen-Tief bei 0,17 Euro bildet die wichtigste Haltelinie.
  • Widerstand: Der 200-Tage-Durchschnitt bei 0,22 Euro, darüber der 50-Tage-Durchschnitt bei 0,26 Euro.
  • Volatilität: Mit annualisiert knapp 65 Prozent sind heftige Kursausschläge rund um den 15. Juli wahrscheinlich.

Bei einer Marktkapitalisierung von aktuell 362 Millionen Euro entscheidet der Bericht vom Mittwoch über die kurzfristige Richtung. Gelingt Nel ASA der Sprung zurück über 0,22 Euro, wäre das ein erstes Signal der Stabilisierung. Verfehlen die Zahlen die Erwartungen, rückt dagegen schnell wieder das Jahrestief in Reichweite.