AlphaValue/Baader Europe hat Nel ASA am Freitag von „Buy“ auf „Add“ herabgestuft und das Kursziel gesenkt. Damit fällt die Analystenaktion trotz deutlich gestiegener Auftragseingänge vorsichtiger aus. Für Anleger bleibt entscheidend, zwischen neuen Bestellungen und bereits erzielten Erlösen zu unterscheiden: Die Auftragsentwicklung signalisiert Chancen, während das Umsatzgeschäft weiterhin unter Druck steht.

Aufträge und Umsatz laufen auseinander

Die vor gut einer Woche veröffentlichten Zahlen zum dritten Quartal 2026 verdeutlichen diesen Gegensatz. Der Umsatz aus Kundenverträgen sank gegenüber dem Vorjahr um 63% auf NOK 112 Millionen.

Neue Bestellungen können diesen Rückgang nicht unmittelbar ausgleichen. Sie betreffen die künftige Geschäftsentwicklung und sind deshalb kein Beleg für eine bereits vollzogene Erholung. Gerade diese zeitliche Trennung ist für die Bewertung der Zahlen wichtig.

Der Auftragseingang stieg um 339% auf NOK 253 Millionen. Gleichzeitig wuchs der Auftragsbestand um 34%.

Damit verbessert sich die Ausgangsbasis für künftige Erlöse. Ob daraus eine nachhaltige Umsatzwende entsteht, lässt sich aus dem Auftragseingang allein allerdings nicht ableiten. Die Herabstufung durch AlphaValue/Baader Europe steht neben diesen gegenläufigen Signalen; eine konkrete Begründung wird daraus nicht abgeleitet.

PEM liefert konkrete Wachstumssignale

Im PEM-Geschäft stieg der Umsatz um 65% auf NOK 89 Millionen. Der Bereich entwickelte sich damit entgegen dem rückläufigen Gesamtumsatz.

Auch bei den Bestellungen zeigt sich dort Wachstum. Das ist mehr als eine unverbindliche Projektperspektive, bleibt aber ebenfalls von der späteren Auslieferung und Umsetzung zu unterscheiden.

Der PEM-Auftragseingang erhöhte sich um 473% auf NOK 245 Millionen. Am 13. Oktober meldete Nel Hydrogen US außerdem einen Auftrag über rund US$12 Millionen.

Besteller ist ein nicht genannter, in den USA ansässiger globaler Technologiekonzern. Die Bestellung umfasst mehrere containerisierte PEM-Elektrolyseure der MC-Serie und zugehörige Dienstleistungen. Die Lieferung wird für 2027 erwartet. Der Auftrag liefert somit einen konkreten zeitlichen Anknüpfungspunkt, aber keinen Nachweis einer kurzfristigen Umsatzbelebung.

Projektchancen sind noch keine Bestellungen

Davon abzugrenzen ist die vor gut einer Woche geschlossene Absichtserklärung mit Rheinmetall. Beide Unternehmen wollen eine dezentrale Produktion synthetischer Kraftstoffe für Verteidigungsanwendungen und kritische Infrastruktur prüfen.

Vorgesehen ist die Verbindung von Nels Elektrolyseurtechnologie mit Rheinmetalls Giga-PtX-Konzept. Die Vereinbarung ist nicht bindend und deshalb anders zu gewichten als der gemeldete US-Auftrag.

Für Anleger ergibt sich eine klare Abstufung: Der Umsatz dokumentiert das erreichte Geschäft, Bestellungen eröffnen künftige Erlöschancen und die Kooperation beschreibt eine mögliche zusätzliche Perspektive. Eine belastbare Erholung müsste sich schließlich auch in den Erlösen zeigen.