Ein Konzern mit wachsenden Verlusten und gleichzeitig einem Auftragsplus von 224 Prozent. Bei Nel ASA driften Gegenwart und Zukunft im zweiten Quartal 2026 deutlich auseinander. Der norwegische Wasserstoff-Spezialist meldet einerseits schwächere Umsätze, andererseits eine kräftige Belebung der Nachfrage.
Umsatz schrumpft, Verlust wächst
Die Erlöse aus Kundenverträgen fielen im zweiten Quartal auf 153 Millionen norwegische Kronen. Das entspricht einem Rückgang von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Gesamterlöse sanken von 215 auf 182 Millionen Kronen. Der globale Markt für Wasserstoffprojekte investiert derzeit spürbar langsamer.
Das EBITDA rutschte auf minus 155 Millionen Kronen, nach einem Minus von 86 Millionen Kronen im Vorjahresquartal. Ein Einmaleffekt verzerrt dieses Bild allerdings deutlich: Eine Vergleichszahlung von 70 Millionen Kronen im Rechtsstreit mit Iwatani Corporation of America drückte das Ergebnis zusätzlich. Rechnet man diesen Posten heraus, blieb das bereinigte EBITDA laut Unternehmensangaben nahezu stabil zum Vorjahr. Unter dem Strich stand ein Nettoverlust von 189 Millionen Kronen.
Bestellungen springen um 224 Prozent
Die Auftragseingänge zeichnen ein anderes Bild. Im zweiten Quartal legten sie um 224 Prozent auf 230 Millionen Kronen zu. Treiber war fast ausschließlich die PEM-Sparte für Protonenaustauschmembranen — sie steuerte rund 96 Prozent der neuen Verträge bei.
Der gesamte Auftragsbestand kletterte zum Ende Juni auf 1,213 Milliarden Kronen. Das ist ein Plus von 9 Prozent gegenüber dem ersten Quartal. Nel nutzte die Quartalsvorlage zudem, um die neue PA-Serie vorzustellen: eine druckbeaufschlagte Alkali-Elektrolyse-Technologie, die laut Management die Produktionskosten im Vergleich zu älteren atmosphärischen Systemen um bis zu 60 Prozent senken soll.
Führungswechsel steht bevor
Die Zahlen kommen kurz nach der Ankündigung, dass CEO Håkon Volldal seinen Posten aufgibt. Er bleibt während einer sechsmonatigen Kündigungsfrist im Amt, während der Aufsichtsrat einen Nachfolger sucht. Das Unternehmen betont, die strategische Ausrichtung auf Elektrolyseur-Technologie bleibe von diesem Wechsel unberührt.
Finanziell steht Nel vorerst nicht unter Druck. Zum 30. Juni verfügte der Konzern über eine Kassenposition von 1,328 Milliarden Kronen. Diese Liquidität reicht nach Angaben des Managements aus, um den laufenden Betrieb und die Technologieentwicklung zu finanzieren — ohne kurzfristigen Bedarf an frischem Kapital.
Aktie bleibt unter Druck
An der Börse kommt der Auftragsschub bislang kaum an. Die Nel-Aktie notiert bei 0,20 Euro, ein Tagesplus von 0,65 Prozent. Auf Monatssicht steht dennoch ein Minus von 16,11 Prozent zu Buche, zum Jahresverlauf passt das nicht recht: Seit Jahresbeginn liegt das Papier mit 4,59 Prozent im Plus.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 0,37 Euro aus dem Mai trennen die Aktie mittlerweile 45,14 Prozent. Der 14-Tage-RSI von 34,0 signalisiert eine Annäherung an überverkauftes Terrain. Auch der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt von 0,26 Euro fällt mit gut 22 Prozent deutlich aus.
Der wachsende Auftragsbestand deutet auf eine mögliche Rückkehr zum Umsatzwachstum in den kommenden Quartalen hin. Ob sich das auch in den Zahlen des laufenden dritten Quartals niederschlägt, dürfte auch davon abhängen, wie schnell sich die PEM-Aufträge in tatsächliche Umsätze übersetzen lassen.
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