Bei Nel klaffen Auftragseingang und laufendes Geschäft auseinander. Die gestern veröffentlichten Quartalszahlen zeigen mehr Bestellungen, aber deutlich weniger Umsatz und weiterhin Verluste. Für Anleger ist deshalb entscheidend, ob aus dem stärkeren Auftragsbestand wieder mehr Geschäft entsteht. Eine Ergebniswende lässt sich aus dem Bestellzuwachs allein nicht ableiten.
Aufträge stärken die Perspektive
Im dritten Quartal 2026 stieg der Auftragseingang nach Unternehmensangaben um 339% auf 253 Millionen NOK. Der Auftragsbestand erreichte zum Quartalsende 1.314 Millionen NOK.
Das verbessert die Ausgangsbasis für künftige Umsätze. Ein voller werdendes Auftragsbuch ist allerdings nicht mit bereits realisierten Erlösen gleichzusetzen. Gerade diese Unterscheidung prägt die Einordnung der Zahlen: Die Bestellungen weisen in eine andere Richtung als das laufende Geschäft.
Der Umsatz aus Kundenverträgen sank gegenüber dem Vorjahr um 63% auf 112 Millionen NOK. Das EBITDA lag bei minus 93 Millionen NOK.
Damit liefert das Quartal noch keinen Beleg dafür, dass die stärkere Nachfrage bereits zu einer operativen Erholung führt. Die Verluste bleiben neben dem Auftragswachstum ein zentraler Maßstab für die Bewertung der Geschäftsentwicklung.
Unterschiedliche Entwicklung der Elektrolysebereiche
Besonders ausgeprägt war der Rückgang im alkalischen Geschäft. Dessen Umsatz fiel um 91% auf 23 Millionen NOK. Der Nettoverlust des Konzerns betrug 141 Millionen NOK.
Die Schwäche dieses Bereichs steht einer besseren Entwicklung bei PEM gegenüber. Für die Einordnung des Konzerns reicht deshalb weder der Blick auf den gesamten Umsatzrückgang noch auf die steigenden Bestellungen allein.
Im PEM-Geschäft legte der Umsatz um 65% auf 89 Millionen NOK zu. Der Auftragseingang dieses Bereichs erhöhte sich um 473%.
PEM liefert damit einen positiven Gegenpol zum schwachen alkalischen Geschäft. Auf Konzernebene reichte diese Entwicklung jedoch nicht aus, um den Umsatzrückgang auszugleichen.
Verbindliche Bestellung und offene Projektperspektive
Der am Dienstag gemeldete Auftrag für Nel Hydrogen US hat einen Wert von rund 12 Millionen USD. Er umfasst mehrere containerisierte PEM-Elektrolyseeinheiten und zugehörige Dienstleistungen für ein nicht genanntes US-Technologieunternehmen. Die Lieferung wird für 2027 erwartet.
Anders einzuordnen ist die ebenfalls am Dienstag bekannt gegebene Zusammenarbeit mit Rheinmetall. Die unverbindliche Absichtserklärung betrifft die Prüfung einer modularen, dezentralen Produktion synthetischer Kraftstoffe. Technische und wirtschaftliche Machbarkeit sowie mögliche Pilotprojekte sollen untersucht werden. Weitere Schritte hängen von der Bewertung und einer gegenseitigen Einigung ab.
Für Anleger ergibt sich daraus eine klare Abstufung: Der US-Auftrag ist eine konkrete Bestellung, die Rheinmetall-Vereinbarung zunächst eine Projektoption. Beides ersetzt noch keinen Nachweis einer Ergebnisverbesserung. Nels entscheidende Aufgabe bleibt, den wachsenden Auftragsbestand in Umsatz zu überführen und dabei die Verluste zu verringern.
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