Sechzig Prozent Kursgewinn seit Jahresbeginn — und trotzdem wächst der Druck. Nel ASA hat Mitte Mai ein 52-Wochen-Hoch bei 0,37 Euro markiert, seitdem aber rund 16 Prozent abgegeben. Der Rückzug ist mehr als Gewinnmitnahme: Hinter der starken Kursentwicklung verbirgt sich ein Auftragsbestand, der innerhalb eines Jahres um fast ein Viertel geschrumpft ist.
Zahlen, die nachdenklich stimmen
Die Quartalszahlen für Q1 2026 zeichnen ein zwiespältiges Bild. Der Umsatz aus Kundenverträgen sank auf 148 Millionen Kronen — ein Minus von fünf Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Das EBITDA blieb mit minus 100 Millionen Kronen tief im Minus, verbesserte sich aber um 15 Millionen Kronen.
Das eigentliche Problem liegt woanders. Der Auftragsbestand fiel auf 1,113 Milliarden Kronen — 24 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Noch drastischer: Der Auftragseingang brach auf 85 Millionen Kronen ein, ein Rückgang von fast 73 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Das Management räumt offen ein, dass der aktuelle Bestand keine nennenswerte Fabrikauslastung für 2027 sichert.
Die PEM-Sparte leidet zusätzlich unter verzögerten Projektlieferungen und eingefrorenen US-Forschungsgeldern. Beides belastet seit Ende 2025.
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Neue Technologie, fehlende Bestellungen
Nel hat Anfang Mai eine neue Plattform für druckbeaufschlagte alkalische Elektrolyseure vorgestellt — nach eigenen Angaben nach mehr als acht Jahren Entwicklung marktreif. Das Unternehmen beziffert die Gesamtkosten für eine 25-MW-Anlage auf unter 1.450 Dollar pro Kilowatt. Zum Vergleich: Industrielle Wasserstoffprojekte kosten heute typischerweise rund 3.000 Dollar pro Kilowatt.
Bis Jahresende plant Nel eine Produktionskapazität von 500 Megawatt aufzubauen, langfristig soll ein Gigawatt folgen. Der EU-Innovationsfonds unterstützt den Ausbau mit bis zu 135 Millionen Euro. Die erste Tranche von rund 11 Millionen Euro erwartet das Unternehmen noch im laufenden Quartal.
Das Problem: Technologische Versprechen haben sich noch nicht in Aufträge verwandelt. CEO Håkon Volldal führt Gespräche mit mehreren potenziellen Kunden über Projekte zwischen 50 und 150 Megawatt in Europa und Nordamerika. Verbindliche Abschlüsse fehlen bislang.
Analysten bleiben skeptisch
Kein einziger Analyst empfiehlt die Aktie zum Kauf. Berenberg-Analyst James Carmichael senkte sein Kursziel von 2,60 auf 2,30 Kronen und verwies auf den anhaltend schwachen Auftragseingang. Das Konsensus-Kursziel liegt bei 2,14 Kronen, die Mehrheit der Analysten rät zum Verkauf.
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Immerhin: Leerverkäufer ziehen sich zurück. Die gemeldeten Short-Positionen sind auf 1,13 Prozent der ausstehenden Aktien gesunken. Das hat die Kursrally mitbefeuert — reicht aber nicht, um die fundamentale Schwäche zu überdecken.
Nel hält Liquidität von 1,4 Milliarden Kronen. Das soll laut Unternehmen den Betrieb bis Ende 2026 sichern. Die Belegschaft wurde gegenüber dem Höchststand bereits um 26 Prozent reduziert.
15. Juli als Prüfstein
Der nächste harte Datenpunkt kommt am 15. Juli: Nel veröffentlicht die Zahlen für das zweite Quartal. Ab Anfang Juli gilt eine Trading-Blackout-Periode, das Management kommuniziert dann nicht mehr aktiv mit Investoren.
Bis dahin wird der Kurs — aktuell bei 0,31 Euro und damit noch deutlich über dem 200-Tage-Durchschnitt von 0,21 Euro — vor allem auf Sektordaten und ETF-Zuflüsse reagieren. Entscheidend am 15. Juli wird sein, ob die neue Elektrolyseur-Plattform erste konkrete Aufträge generiert hat. Ohne Trendwende beim Auftragseingang dürfte die Bewertungsprämie gegenüber dem Technologieversprechen schwer zu halten sein.
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