Während im Kern vor allem wirtschaftliche Probleme die Schlagzeilen bestimmen, entscheidet bei Nel ASA aus Sicht der Börsianer vor allem die Charttechnik über den kurzfristigen Kursverlauf. Nach dem Rückgang auf rund 0,19 Euro und einem Tagesverlust von 5,65 % bewegt sich die Aktie spätestens jetzt erneut an einer wichtigen technischen Unterstützungszone. Innerhalb eines Monats hat das Papier 23,56 % verloren, obwohl auf Jahressicht noch ein kleines Plus von 1,03 % verbleibt.
Aus charttechnischer Sicht befindet sich Nel ASA in einer extrem kritischen Phase. Die Aktie notiert knapp oberhalb der Unterstützung bei rund 2,26 Norwegischen Kronen, wenn man hier die Kronen zu Rate zieht (in Oslo wird wesentlich mehr gehandelt als an deutschen Börsen). Die 50 Tage Linie verläuft dagegen deutlich höher bei etwa 2,50 Norwegischen Kronen und signalisiert, dass der mittelfristige Abwärtstrend bislang bei weitem nicht ad acta zu legen sind. Die Aktie muss also deutlich gewinnen.
Nel Asa: Tech-Aktien heute schwach
Dazu kommt ein schwieriges Branchenumfeld. Viele Wasserstoffprojekte werden wegen hoher Finanzierungskosten und fehlender Infrastruktur verschoben. Ohne langfristige Abnahmeverträge investieren zahlreiche Kunden derzeit nur zögerlich in neue Elektrolyseure. Davon sind Hersteller wie Nel ASA unmittelbar betroffen.
Dabei arbeitet das Unternehmen durchaus an technologischen Verbesserungen. Seit Mai entwickelt Nel neue Elektrolyseursysteme, die die Produktionskosten für grünen Wasserstoff deutlich senken sollen. Diese Fortschritte reichen derzeit jedoch nicht aus, um den Rückgang beim Auftragseingang auszugleichen. Die Börse bewertet momentan die Nachfrageentwicklung deutlich höher als technologische Fortschritte.
Auch die langfristigen Kursdaten zeigen die Unsicherheit. Innerhalb von 3 Monaten konnte die Aktie zwar noch 7,64 % zulegen, auf Sicht von 6 Monaten steht jedoch ein Minus von 2,13 %. Die starken Schwankungen verdeutlichen, wie empfindlich der Markt inzwischen auf Unternehmensnachrichten und Branchensignale reagiert.
Für die kommenden Wochen dürfte deshalb weniger die allgemeine Entwicklung des Wasserstoffmarktes als vielmehr die technische Reaktion auf die Halbjahreszahlen entscheidend werden. Kann Nel ASA die Unterstützung verteidigen und gleichzeitig wirtschaftliche Verbesserungen präsentieren, könnte sich das Chartbild aufhellen. Bleiben neue Aufträge dagegen aus, dürfte der Druck auf die Aktie bestehen bleiben.
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