Ein stark wachsender Auftragseingang reicht derzeit nicht aus, um Anleger bei Nel ASA zurück an Bord zu holen. Zwar gewann die Aktie am Freitag gut 3,2 % hinzu, doch von einer echten Erholung kann keine Rede sein. Mit knapp 0,20 Euro bewegt sich der Kurs weiterhin direkt an einer Marke, die für viele Marktteilnehmer von großer Bedeutung ist. Viel Spielraum nach oben lässt sich daraus bislang nicht ableiten.

Nel ASA kämpft weiter mit alten Problemen

Genau darin liegt das Kernproblem des norwegischen Wasserstoffkonzerns. Es gibt durchaus Zahlen, die Hoffnung machen. Gleichzeitig überwiegen für viele Anleger noch immer die Schwächen. Solange sich daran nichts ändert, bleibt die Aktie in ihrem Abwärtstrend gefangen.

Vor allem die Ertragslage sorgt weiterhin für Skepsis. Auch im zweiten Quartal fiel erneut ein hoher Verlust an. Ein Teil davon geht auf eine Vergleichszahlung an den japanischen Partner Iwatani zurück, die das Ergebnis mit rund 70 Millionen norwegischen Kronen belastete. Dieser Sondereffekt erklärt jedoch nicht alles. Auch der Umsatz fiel erneut niedriger aus als im Vorjahr. Hinzu kommt, dass Analysten selbst für die kommenden Jahre noch keine nachhaltige Rückkehr in die Gewinnzone erwarten. Entsprechend zurückhaltend fällt die Reaktion vieler Investoren aus.

Ein weiterer Punkt ist die Bewertung der Aktie. Trotz des kräftigen Kursrückgangs bringt es Nel ASA noch immer auf ein Kurs Umsatz Verhältnis von rund 4,4. Das liegt über dem Niveau vieler Industrieunternehmen und auch über manchen Wettbewerbern. Kritiker sehen darin einen Widerspruch. Ein Unternehmen mit rückläufigem Umsatz und anhaltenden Verlusten müsste ihrer Ansicht nach günstiger bewertet werden. Solange sich an den Geschäftszahlen wenig ändert, dürfte diese Diskussion weitergehen.

Ganz ohne positive Nachrichten blieb das Quartal allerdings nicht. Der Auftragseingang stieg auf rund 230 Millionen norwegische Kronen und lag damit um 224 % über dem Vorjahreswert. Außerdem verfügt Nel ASA mit rund 1,44 Milliarden norwegischen Kronen weiterhin über eine solide Liquiditätsreserve. Gerade nach der angekündigten Kapitalerhöhung bei HydrogenPro ist das ein Punkt, den viele Anleger durchaus wahrnehmen. Bis daraus jedoch wieder steigende Umsätze und eine bessere Ertragslage entstehen, dürfte noch einige Zeit vergehen.

Deshalb überrascht der schwache Kursverlauf kaum. Auf dem aktuellen Niveau bleibt die Aktie vor allem für spekulativ orientierte Anleger interessant. Größere institutionelle Investoren dürften vorerst abwarten, bis sich die Entwicklung auch in den Geschäftszahlen widerspiegelt.