Die Zahlen für Nel Asa waren vor einigen Wochen gut: Die Norweger haben ein solides 2. Quartal hingelegt. Die Börsen würdigen dies indes weiterhin nicht. Am Freitag ging es minimalst um -0,25 % abwärts. Die Aktie blieb bei 0,20 Euro stehen. Somit hat der Kurs von Nel Asa wirtschaftlich keine Bedeutung, die Marktkapitalisierung liegt bei weniger als 400 Millionen Euro. Und dennoch bleiben auch ohne Nachrichten einige Fakten im Raum, die interessant sein können.
Nel Asa: Das übersehen die meisten
230 Millionen NOK neue Aufträge, aber nur 153 Millionen NOK Umsatz und ein EBITDA von minus 155 Millionen NOK: Bei Nel ASA könnte der Gegensatz zwischen Auftragspipeline und tatsächlicher Geschäftsentwicklung derzeit kaum größer sein. Das zweite Quartal zeigt damit sehr deutlich, warum Anleger trotz einzelner positiver Signale weiterhin vorsichtig bleiben.
Beim Auftragseingang konnte Nel gegenüber dem Vorjahr um 224 % zulegen. Der Auftragsbestand wuchs auf 1,213 Milliarden NOK. Besonders das PEM-Geschäft entwickelte sich dynamisch und vereinte 96 % aller neuen Bestellungen im zweiten Quartal auf sich. Auf den ersten Blick liefert das eine solide Grundlage für die kommenden Quartale.
Das Problem ist jedoch die Umsetzung. Während die Auftragsbücher wachsen, sank der Umsatz aus Kundenverträgen gegenüber dem Vorjahr um 12 % auf 153 Millionen NOK. Die wirtschaftliche Verlustzone bleibt entsprechend tief: Das EBITDA belief sich auf minus 155 Millionen NOK. Hinzu kam eine einmalige Belastung von 70 Millionen NOK durch eine Zahlung an die Iwatani Corporation of America. Zwar handelt es sich dabei nicht um einen regelmäßig wiederkehrenden Aufwand, doch die Episode zeigt, wie empfindlich die ohnehin schwache Ergebnislage auf zusätzliche Belastungen reagiert.
Diese Unsicherheit spiegelt sich auch in der Analysteneinschätzung wider. JPMorgan senkte das Kursziel zuletzt deutlich von 2,90 auf 1,80 NOK und beließ die Aktie auf „Neutral“. Die zentrale Sorge: Nel muss erst beweisen, dass sich der hohe Auftragseingang tatsächlich schneller in Umsatz und eine bessere Profitabilität übersetzen lässt.
Für zusätzliche Unsicherheit sorgt der anstehende Wechsel an der Konzernspitze. CEO Håkon Volldal bleibt nur noch so lange im Amt, bis ein Nachfolger gefunden ist. Neben den operativen Problemen müssen Investoren damit auch einen Führungswechsel einordnen.
Daher bleibt Nel Asa ein Börsenrätsel: Fundamental orientierte Investoren interessieren sich nicht für den Wert. Trader könnten indes darauf anspringen.
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