Nel ASA kämpft derzeit mit einem Widerspruch, der sich auch gestern am Aktienmarkt zeigte: Während der Wasserstoffspezialist nach den Zahlen aus Juli im zweiten Quartal einen kräftigen Anstieg beim Auftragseingang verbuchen konnte, kommt die Aktie nicht vom Fleck. 0,19 Euro oder -3,48 % von gestern bedeuten weiterhin, dass Nel Asa an den Börsen lediglich gut 340 Millionen Euro wert ist. Die Lücke zwischen wachsender Nachfrage und weiterhin schwacher wirtschaftlicher Entwicklung dürfte für Anleger derzeit im Mittelpunkt stehen.

Nel Asa: Der Auftragseingang zählt hier nicht mehr

Im zweiten Quartal sprang der Auftragseingang um 224 % auf 230 Mio. NOK. Besonders auffällig ist dabei die Verteilung: 96 % der neuen Bestellungen entfielen auf das PEM-Geschäft. Der Auftragsbestand erhöhte sich zugleich auf 1,213 Mrd. NOK. Auf der Nachfrageseite sendet Nel damit klare positive Signale. Doch diese Dynamik schlägt sich bislang nur begrenzt in Umsatz und Ergebnis nieder.

Der Umsatz aus Kundenverträgen sank im zweiten Quartal um 12 % auf 153 Mio. NOK. Gleichzeitig lag das EBITDA bei -155 Mio. NOK. Eine einmalige Zahlung von 70 Mio. NOK an Iwatani belastete das Ergebnis zusätzlich, unter dem Strich stand laut den vorliegenden Zahlen ein Nettoverlust von 189 Mio. NOK. Nel gewinnt damit deutlich mehr neue Aufträge, muss aber noch zeigen, dass diese künftig auch schneller in steigende Erlöse und bessere Margen übergehen.

Diese Skepsis spiegelt sich auch in der jüngsten Einschätzung von JPMorgan wider. Die US-Bank reduzierte ihr Kursziel am 5. August von 2,90 NOK auf 1,80 NOK und damit um mehr als ein Drittel. Die Einstufung blieb bei „Neutral“. Der wachsende Auftragseingang allein reicht aus Sicht des Marktes offenbar noch nicht aus, solange die wirtschaftliche Umsetzung hinterherhinkt.

Gleichzeitig schafft Nel die Voraussetzungen für weiteres Wachstum. Am Standort Herøya soll die Produktionskapazität bis Ende 2026 auf 500 MW steigen. Hinzu kommt die neue Generation druckbeaufschlagter alkalischer Elektrolyseure, mit der die Investitionskosten gegenüber konventionellen Lösungen um 40 bis 60 % sinken sollen. Bis 2027 könnte die Kapazität durch kürzere Zykluszeiten auf bis zu 1 GW erweitert werden. Die EU unterstützt das Technologieprojekt mit 135 Mio. Euro.
Mit rund 1,3 Mrd. NOK an liquiden Mitteln verfügt Nel zudem weiterhin über finanziellen Spielraum. Noch ist dies den Börsen quasi gleich.