Nel ASA steht vor einer charttechnischen Richtungsentscheidung. Die Aktie beendete den Freitag auf der einen Seite mit einem Plus von 0,51 % bei 0,1966 Euro und konnte sich damit zumindest leicht von der wichtigen Unterstützungszone absetzen. Entscheidend bleibt jedoch, ob sich daraus mehr als eine kurzfristige Gegenbewegung entwickelt.

Der übergeordnete Trend spricht bislang dagegen. Gegenüber dem 52-Wochen-Hoch von 0,3655 Euro aus dem Mai hat sich der Kurs nahezu halbiert und notiert zudem unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 0,214 Euro. Auch der RSI liefert noch kein klares Entwarnungssignal: Mit 37 Punkten nähert er sich zwar der überverkauften Zone unterhalb von 30 Punkten, befindet sich aber noch nicht darin.

Nel Asa: In der Falle!

Damit rückt die Marke von 0,18 Euro in den Mittelpunkt. Hält diese Unterstützung, könnte der stark gefallene Kurs eine technische Erholung starten. Ein nachhaltiger Bruch würde dagegen die Gefahr eines weiteren Rücksetzers in die Zone zwischen 0,12 und 0,15 Euro erhöhen.

Fundamental bleibt das Bild ebenfalls widersprüchlich. Der Auftragseingang laut der Zahlen, die nun indes schon einen Monat alt sind, schoss im zweiten Quartal um 224 % auf 230 Mio. norwegische Kronen nach oben und ließ den Auftragsbestand auf 1,2 Mrd. norwegische Kronen anwachsen. Gleichzeitig gingen die Umsätze um 12 % zurück. Nel muss damit erst noch beweisen, dass die deutlich gestiegenen Bestellungen tatsächlich in höhere Erlöse überführt werden können.

Auch die Profitabilität bleibt eine große Baustelle. Eine Vergleichszahlung von 70 Mio. norwegischen Kronen an den japanischen Partner Iwatani belastete das Quartal, das EBITDA lag bei minus 155 Mio. norwegischen Kronen. Immerhin verfügt der Konzern noch über rund 1,3 Mrd. norwegische Kronen an Liquidität, was zunächst finanziellen Spielraum verschafft.

Die entscheidende Frage ist damit nicht, ob Nel über Chancen verfügt, sondern ob diese Chancen rechtzeitig in Zahlen sichtbar werden. Die 0,18-Euro-Marke trennt charttechnisch eine mögliche Stabilisierung von weiterem Abwärtsdruck, während operativ vor allem der Sprung vom stark gestiegenen Auftragseingang zu wachsenden Umsätzen gelingen muss. Erst wenn beide Entwicklungen zusammenkommen, dürfte aus einer technischen Erholung wieder eine belastbarere Trendwende werden.