Bei Nel ASA steht aktuell nicht eine neue Technologie oder ein Großauftrag im Mittelpunkt, sondern ein Wechsel an der Unternehmensspitze. Die Aktie notiert bei 0,22 Euro und hat heute immerhin minimal zugelegt. Allerdings sind die Gesamtstatistiken durchaus trübe. Auf Monatssicht liegt das Papier 22,89 % im Minus, in den vergangenen fünf Handelstagen beträgt der Rückgang 5,88 %.

Auslöser der jüngsten Diskussionen ist der Führungswechsel im Konzern. Mitte Juni wurde bekannt, dass der bisherige Vorstandsvorsitzende Håkon Volldal zurücktritt. Kurz darauf meldete das Unternehmen die Ernennung eines neuen Konzernchefs. Die norwegische Elopak entsendet ihren bisherigen Manager zum Wasserstoffspezialisten. Gleich mehrere Unternehmensmeldungen innerhalb weniger Tage zeigen, wie tiefgreifend der personelle Umbau derzeit ausfällt.

Nel Asa: Hier wird es wirklich brisant!

Die Börse reagiert bislang zurückhaltend. Während die Aktie auf Jahressicht sogar auf niedrigstem Niveau noch immer 18,14 % im Plus liegt, hat sich das Bild seit dem Frühjahr deutlich verschlechtert. Besonders auffällig ist die Entfernung vom Zwischenhoch, das im Mai erreicht wurde. Seitdem hat der Titel einen erheblichen Teil seiner Gewinne wieder abgegeben.

Analysten sind zudem ausgesprochen skeptisch. Gegenwärtig sehen sie insgesamt sogar ein negatives Potenzial von rund 14 %.

Auch einzelne Analystenhäuser haben zuletzt vorsichtige Signale gesendet. RBC bestätigte zwar seine Einstufung „Sector Perform“, beließ das Kursziel aber bei lediglich drei norwegischen Kronen. Bereits im März hatte Berenberg das Kursziel auf 2,30 norwegische Kronen gesenkt und die Einstufung „Hold“ beibehalten. Kepler Cheuvreux hatte zuvor sogar ein Kursziel von 1,90 norwegischen Kronen mit der Empfehlung „Reduzieren“ veröffentlicht. Aktuell verläuft der Kurs in norwegischen Kronen gemessen bei 2,47 NOK.

Wirtschaftlich befindet sich Nel weiterhin in einer Übergangsphase. Für 2026 rechnen Analysten mit einem Umsatz von 791 Millionen norwegischen Kronen. Im Jahr 2027 sollen die Erlöse auf 1,42 Milliarden norwegische Kronen steigen. Gleichzeitig werden jedoch Nettoverluste von 427 Millionen beziehungsweise 330 Millionen norwegischen Kronen erwartet. Damit bleibt die Profitabilität vorerst außer Reichweite.

Vor diesem Hintergrund erhält der neue Vorstandsvorsitzende eine klar definierte Aufgabe. Nach dem Rückzug aus dem Tankstellengeschäft konzentriert sich Nel auf Elektrolyseure. Die zentrale Frage für Investoren lautet nun, ob der Managementwechsel dazu beiträgt, aus Projektanfragen tatsächlich verbindliche Aufträge und damit steigende Umsätze zu machen. Die Börsen sind hier reduziert zuversichtlich. Fälschlicherweise?