Bei Nel ASA verschiebt sich die zentrale Unternehmensfrage vom Auftragseingang zur Fähigkeit, dieses Neugeschäft wirtschaftlich abzuarbeiten. Im zweiten Quartal 2026 erreichte der Auftragseingang 230 Millionen norwegische Kronen und lag damit 224 % über dem Vorjahreswert. Gleichzeitig belief sich der Auftragsbestand auf 1,213 Milliarden Kronen.

Auftragseingang hilft noch nicht

Für die operative Ertragskraft brachte dieser Auftragsboom bislang keinen vergleichbaren Sprung. Die Umsätze aus Kundenverträgen sanken um 12 % auf 153 Millionen Kronen. Das EBITDA erreichte minus 155 Millionen Kronen, wobei ein Vergleich mit Iwatani zusätzliche 70 Millionen Kronen kostete. Die zeitliche Lücke zwischen Bestellung, Umsatz und Ergebnis bleibt damit ein wesentlicher Faktor.

Hinzu kommt der Wechsel an der Unternehmensspitze. Håkon Volldal verlässt Nel und wechselt zu Elopak. Während der sechsmonatigen Kündigungsfrist bleibt der bisherige CEO zunächst im Amt, während die Suche nach einem Nachfolger läuft. In einem Markt mit kapitalintensiven Projekten kann eine ungeklärte Führung die Verhandlungen mit Kunden und Finanzierungspartnern erschweren.

Die Technologie liefert zugleich einen Ansatzpunkt für eine bessere Kostenstruktur. Die PA-Series soll den Platzbedarf von Elektrolyseuren um bis zu 80 % reduzieren und Investitionskosten um 40 bis 60 % senken. Nel plant dafür 500 Megawatt Produktionskapazität bis Ende 2026 und 1 Gigawatt im Jahr 2027.

Die finanzielle Unterstützung aus Europa fällt ebenfalls konkret aus. Nel erhält 135 Millionen Euro EU-Förderung für den Ausbau. Zwei weitere Aufträge für containerisierte PEM-Systeme bringen jeweils rund 7 Millionen US-Dollar. Damit wächst die operative Pipeline, obwohl mehrere Energiekonzerne Wasserstoffprojekte verschoben haben.

Am Montag rückte die Börse die Probleme bei der Bearbeitung der Aufträge wieder stärker in den Vordergrund: Der Nel-Kurs sank um 0,41 % auf nur noch 0,192 Euro. Die Aktie bleibt dem Abwärtstrend regelrecht verpflichtet. Nur Analysten sind teils zuversichtlicher.