Nel ASA versucht, den Wandel vom projektorientierten Anlagenbauer zum industriellen Serienhersteller zu beschleunigen. Kernstück dieser Strategie ist die im Mai vorgestellte modulare Druck Alkali Plattform für Elektrolyseure. Die Anlagen werden künftig stärker standardisiert und bereits im Werk weitgehend vormontiert. Dadurch sollen Planungsaufwand, Installationszeiten und Projektrisiken sinken. Ziel ist es, große Wasserstoffprojekte wirtschaftlicher umzusetzen und gleichzeitig die Produktionskosten zu reduzieren.
Ob diese Strategie aufgeht, muss sich allerdings erst noch zeigen. An der Börse dominiert weiterhin Skepsis. Die Aktie verlor am Freitag 2,14 % und schloss bei 0,206, also bei 0,21 Euro. Damit summiert sich das Minus innerhalb eines Monats auf rund 39 %, während die Wochenbilanz bei minus 7,6 % liegt. Seit Jahresbeginn notiert die Aktie dagegen noch knapp im Plus. Die deutlichen Unterschiede zwischen langfristiger und kurzfristiger Entwicklung verdeutlichen, wie schnell sich die Erwartungen der Investoren zuletzt eingetrübt haben.
Nel Asa: Das wird schwierig
Hinzu kommt, dass der Kapitalmarkt derzeit nicht mehr allein auf technologische Fortschritte achtet. Entscheidend ist inzwischen, ob sich Innovationen auch in steigenden Auftragseingängen und einer besseren Ertragslage niederschlagen. Genau hier besteht bei Nel weiterhin Nachholbedarf. Für 2026 erwarten Analysten einen Umsatz von rund 791 Millionen Norwegischen Kronen, gleichzeitig aber noch immer einen Nettoverlust von 427 Millionen Norwegischen Kronen. Auch 2027 rechnen die Schätzungen noch mit roten Zahlen.
Die Analysten bleiben entsprechend zurückhaltend. Der Konsens lautet weiterhin „Reduzieren“. Das durchschnittliche Kursziel liegt mit 2,12 Norwegischen Kronen sogar rund 9 % unter dem jüngsten Schlusskurs von 2,33 Norwegischen Kronen.
Wirtschaftlich gab es zuletzt vor einigen Wochen Fortschritte. Nel erzielte eine Einigung im Rechtsstreit mit Iwatani und arbeitet mit Cavendish Hydrogen zusammen. Außerdem erhielt das Unternehmen kleinere Aufträge für PEM Elektrolyseure in Europa und den USA. Diese Meldungen verbessern zwar die wirtschaftliche Ausgangslage, ersetzen aber bislang keine Großaufträge, die den rückläufigen Auftragseingang nachhaltig stabilisieren könnten.
Vor kurzem nun trat der CEO zurück. Das könnte ein Zeichen sein. Die Notierungen bleiben im absoluten Fokus. Wichtig wäre es, die Marke von 0,20 Euro nicht zu unterkreuzen.
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