Der Auftragseingang von Nel ASA ist im zweiten Quartal um 224 % auf 230 Millionen NOK gesprungen. Damit wuchs der Auftragsbestand auf 1,213 Milliarden NOK. Für den Wasserstoffkonzern ist das eine der wenigen Kennzahlen, die zuletzt deutlich nach oben zeigten.

An der Börse reicht der Auftragsschub weiterhin nicht für eine Trendwende. Die Nel-Aktie hält sich vor der neuen Woche knapp unter 0,20 Euro und bleibt damit im Abwärtstrend. Neue Unternehmensnachrichten, die dem Kurs einen stärkeren Impuls geben könnten, kamen zuletzt nicht hinzu.

Aufträge helfen noch nicht

Das Problem liegt vor allem in der Umsetzung der vorhandenen Aufträge. Während im zweiten Quartal Bestellungen über 230 Millionen NOK hereinkamen, sanken die Vertragserlöse um 12 % auf 153 Millionen NOK. Der Auftragsbestand ist damit erheblich größer als der zuletzt erzielte Quartalsumsatz, muss aber erst über Projektfortschritte und Auslieferungen in Erlöse überführt werden. Noch schwächer sieht die Ergebnisrechnung aus. Das EBITDA belief sich im zweiten Quartal auf minus 155 Millionen NOK und lag damit sogar leicht über den gesamten Vertragserlösen des Quartals. Der kräftige Anstieg der Bestellungen hat die laufende Ertragslage bislang nicht verbessert.

Damit gewinnt auch der Umgang mit Investitionen und Produktionskapazitäten an Bedeutung. Nel muss die verfügbaren Kapazitäten auf die tatsächliche Geschwindigkeit der Projektumsetzung abstimmen. Zusätzliche Investitionen erhöhen den Mittelbedarf, solange aus dem vorhandenen Auftragsbestand nicht schneller Umsatz und Ergebnis entstehen. Eine weitere Aufgabe wartet an der Konzernspitze. Der Rückzug des bisherigen CEO wurde im Juni bekannt gegeben, die dauerhafte Nachfolge ist noch offen. Die neue Führung wird damit unter anderem über Investitionen, Kapazitäten und die weitere Ausrichtung des Elektrolyseurgeschäfts entscheiden müssen. Auch die technischen Indikatoren liefern bislang keine überzeugende Wende. Der RSI liegt bei 44 Punkten und damit im neutralen Bereich. Beim RSI entstand zuletzt ein bärisches Crossover, auch der MACD liefert ein Verkaufssignal. Auf Tagesbasis gab es zwar erste bullische Crossovers, für eine klare Veränderung des übergeordneten Kursbildes reichte das bisher nicht.

JPMorgan hatte das Kursziel Anfang August auf 1,80 NOK gesenkt und Nel weiterhin mit „Neutral“ bewertet. Die Analysten richten ihren Blick damit auf ein Unternehmen, dessen Auftragsbestand zwar kräftig gewachsen ist, dessen Umsatz und EBITDA diese Entwicklung bislang aber nicht nachvollziehen. Neue Zahlen dazu kommen am 21. Oktober mit dem Bericht zum dritten Quartal. Dann lässt sich erstmals erkennen, wie sich der Auftragseingang nach dem Sprung auf 230 Millionen NOK weiterentwickelt hat und welcher Teil des 1,213 Milliarden NOK schweren Auftragsbestands inzwischen als Umsatz verbucht werden konnte.