Ein Aktienkurs von mickrigen 0,21 Euro spiegelt das aktuelle Desaster der gesamten Branche schonungslos wider. Bei Nel ASA geht es längst nicht mehr um rosige Zukunftsträume, sondern um das nackte Überleben in einer erbarmungslosen Marktbereinigung. Das vielzitierte „Tal des Todes“ für Elektrolyseur-Hersteller hat die Realität eingeholt, während der gesamte Sektor verzweifelt nach einem tragfähigen Fundament sucht. Im Vergleich zur Plug Power jedoch schaffte es die Aktie heute immerhin, megastabil zu bleiben. Chapeau! Die Amerikaner haben 7,6 % abgegeben!

Kahlschlag und Billigkonkurrenz

Der strukturelle Umbruch fordert prominente Opfer. Der US-Riese Cummins zog im Februar 2026 die Reißleine, stoppte den Vertrieb seiner Accelera-Elektrolyseure und radierte 458 Millionen Dollar per Abschreibung aus. Kleinere Pioniere wie Green Hydrogen Systems überlebten den Druck gar nicht erst und rutschten in die Insolvenz. Zu diesem internen Kahlschlag gesellt sich eine aggressive Welle extrem billiger Importe aus China, welche die etablierten westlichen Hersteller preislich regelrecht pulverisieren.

Nels Flucht nach vorn

Nel selbst taumelt spürbar unter dem Druck. Ein Kurssturz von fast einem Fünftel innerhalb weniger Wochen zeugt von der tiefen Verunsicherung an den Märkten. Die Norweger versuchen nun den technologischen Befreiungsschlag und bringen 2026 eine seit Jahren komplett neu konzipierte Druck-Alkali-Plattform an den Start. Trotz eines verhaltenen Jahresbeginns keimte im Frühjahr durch einen wichtigen Auftrag in der PEM-Sparte neue Hoffnung auf. Solide Cash-Reserven und eine angekündigte EU-Spritze verschaffen dem Konzern zumindest die nötige Atempause.

Das Diktat der nackten Zahlen

Die große Wasserstoff-Fantasie ist zwar nicht tot, aber sie wird extrem pragmatisch aufgeteilt. Während Konkurrenten wie Bloom Energy durch die Stromversorgung hungriger KI-Rechenzentren eine neue Nische besetzen, droht Nel im unerbittlichen Mittelfeld zerrieben zu werden. Ein Börsenwert von rund 381 Millionen Euro und das Verharren exakt auf der 200-Tage-Linie unterstreichen, dass jegliche Euphorie verflogen ist. Ab jetzt entscheiden keine visionären Pressemitteilungen mehr, sondern die nackte Profitabilität über Sieg oder Niederlage.