Nel muss den wachsenden Auftragsbestand erst in höhere Umsätze übersetzen. Das ist die entscheidende Herausforderung nach den gestern veröffentlichten Quartalszahlen: Schwache Erlöse und anhaltende Verluste stehen deutlich mehr Bestellungen gegenüber. Die Aktie verzeichnete gestern eine Tagesveränderung von -6,3%. Das Auftragspolster konnte die schwache Geschäftsentwicklung damit am Veröffentlichungstag nicht aufwiegen.

Für Anleger zählt deshalb weniger das Wachstum der Bestellungen allein. Entscheidend ist, wann daraus Umsatz entsteht und ob sich damit auch die Ertragslage verbessert. Auftragseingang und Geschäftsergebnis beschreiben derzeit unterschiedliche Seiten der Entwicklung.

Umsatz und Ergebnis bleiben schwach

Im dritten Quartal 2026 sanken die Erlöse aus Kundenverträgen gegenüber dem Vorjahr um 63% auf NOK 112 Millionen. Damit zeigen die von Nel veröffentlichten Zahlen einen erheblichen Rückgang des abgerechneten Geschäfts.

Dieser Einbruch begrenzt die Aussagekraft der positiven Bestellentwicklung für die kurzfristige Geschäftslage. Neue Aufträge eröffnen Perspektiven, gleichen aber bereits ausgewiesene Umsatzrückgänge nicht unmittelbar aus. Genau diese Unterscheidung ist für die Bewertung des Quartals wichtig.

Das EBITDA lag bei NOK -93 Millionen. Unter dem Strich meldete Nel einen Nettoverlust von NOK -141 Millionen. Die Zahlen dokumentieren damit weiterhin eine verlustreiche Geschäftsentwicklung.

Ein höherer Auftragsbestand ist deshalb noch kein Beleg für eine operative Wende. Dafür müsste sich die bessere Bestelllage auch in der Ergebnisrechnung niederschlagen.

Bestellungen schaffen eine breitere Grundlage

Der Auftragseingang stieg im dritten Quartal 2026 um 339% auf NOK 253 Millionen. Anders als beim Umsatz zeigt die Entwicklung hier deutlich nach oben.

Die Bestellungen geben Nel eine Grundlage für künftige Lieferungen. Für Anleger bleibt jedoch die zeitliche Trennung entscheidend: Ein Auftrag stärkt zunächst das Geschäftspotenzial, während seine Umsetzung für die Umsatzentwicklung maßgeblich wird.

Der Auftragsbestand erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr um 34% auf NOK 1.314 Millionen. Damit steht der schwachen Umsatzentwicklung ein gewachsenes Polster für künftiges Geschäft gegenüber.

Rheinmetall-Vereinbarung bleibt eine Perspektive

Zusätzlich unterzeichneten Nel und Rheinmetall am Dienstag eine Absichtserklärung. Die Unternehmen wollen Möglichkeiten einer dezentralen Produktion erneuerbarer Kraftstoffe für Verteidigungsanwendungen und kritische Infrastruktur prüfen. Dabei soll Nels Elektrolyseurtechnologie mit Rheinmetalls Giga-PtX-Konzept verbunden werden.

Die Vereinbarung ist damit eine mögliche Geschäftsperspektive, kein bestätigter Lieferauftrag. Sie ersetzt weder Umsatz noch Ergebnisverbesserungen. Für die Einordnung von Nel bleibt daher die Umsetzung des bestehenden Auftragspolsters wichtiger als die Aussicht auf zusätzliche Anwendungsfelder. Erst eine Verbesserung des laufenden Geschäfts würde den Gegensatz zwischen wachsender Bestellbasis und schwachen Quartalszahlen auflösen.