Die Erholung im PEM-Geschäft reicht bei Nel ASA noch nicht aus, um den Einbruch im übrigen Geschäft aufzufangen. Das zeigen die am 15. Oktober veröffentlichten Zahlen: Im dritten Quartal 2026 sank der Umsatz aus Kundenverträgen um 63% auf NOK 112 Millionen. Für Anleger ist deshalb entscheidend, ob aus der verbesserten Auftragslage auch eine breitere operative Erholung entsteht.

Der Unterschied zwischen neuen Bestellungen und laufendem Geschäft prägt die Lage. Während Nel deutlich mehr Aufträge verbuchte, blieben Umsatz und Ergebnis unter Druck. Die bessere Nachfrage ist damit ein positives Signal für künftiges Geschäft, aber noch kein Beleg für eine Ergebniswende.

PEM wächst gegen den Abwärtstrend

Nach Unternehmensangaben stieg der PEM-Umsatz im Berichtsquartal um 65% auf NOK 89 Millionen. Im Alkaline-Segment brach der Umsatz dagegen um 91% ein.

Damit entwickelt sich das Geschäft ausgesprochen ungleichmäßig. Der Zuwachs bei PEM konnte den Rückgang im Alkaline-Bereich nicht ausgleichen. Eine Bewertung allein anhand der PEM-Wachstumsrate würde deshalb die Schwäche auf Konzernebene ausblenden.

Auch die Ergebniszahlen zeigen den Handlungsbedarf: Nel meldete ein EBITDA von NOK -93 Millionen und einen Nettoverlust von NOK -141 Millionen. Der Alkaline-Umsatz betrug nur noch NOK 23 Millionen.

Für die Einordnung sind somit zwei Entwicklungen auseinanderzuhalten: PEM liefert operative Wachstumszeichen. Zugleich fehlt dem Konzern bislang die Umsatzbasis, um daraus eine positive Ergebnisentwicklung abzuleiten.

Aufträge stützen die Perspektive

Der konzernweite Auftragseingang erhöhte sich um 339% auf NOK 253 Millionen. Der Auftragsbestand wuchs um 34%.

Das verbessert die Grundlage für künftige Lieferungen. Auftragseingang und Auftragsbestand sind allerdings keine bereits realisierten Umsätze. Gerade angesichts des schwachen Berichtsquartals bleibt die Umsetzung der Bestellungen der entscheidende nächste Schritt.

Der Auftragsbestand erreichte NOK 1.314 Millionen. Im PEM-Geschäft stieg der Auftragseingang um 473% auf NOK 245 Millionen.

Zusätzliche Unterstützung erhielt dieser Bereich durch den vor gut einer Woche gemeldeten US-Auftrag für mehrere containerisierte PEM-Elektrolyseure samt Dienstleistungen. Die Tochter Nel Hydrogen US bezifferte den Auftrag auf rund USD 12 Millionen. Die Lieferung wird für 2027 erwartet. Dieser Zeitrahmen verdeutlicht, weshalb neue Bestellungen die laufenden Ergebnisse nicht unmittelbar verbessern müssen.

Neue Führung übernimmt operative Bewährungsprobe

In diese Ausgangslage fällt der bereits angekündigte Führungswechsel. Morten Holum soll Håkon Volldal als CEO nachfolgen und spätestens am 1. Mai 2027 beginnen. Finanzchef Kjell Christian Bjørnsen übernimmt ab dem 1. November 2026 vorübergehend die Unternehmensführung.

Die operative Bewährungsprobe bleibt unabhängig von der personellen Übergangsphase dieselbe: Nel muss die stärkere PEM-Nachfrage in Umsatz umsetzen und zugleich die Schwäche im Alkaline-Geschäft überwinden. Die jüngsten Zahlen liefern dafür bessere Auftragssignale, aber noch keinen Nachweis einer konzernweiten Erholung. Genau diese Unterscheidung ist für die Bewertung der Aktie wichtiger als isolierte Wachstumsraten.