Fast minus 42 Prozent seit Jahresbeginn — und nun senkt auch noch Jefferies das Kursziel. Nemetschek startet mit schwerem Gepäck in die neue Handelswoche.

Jefferies bleibt optimistisch, aber vorsichtiger

Die Investmentbank Jefferies hat das Kursziel für Nemetschek von 90 auf 70 Euro gesenkt. Die Kaufempfehlung bleibt bestehen. Analyst Charles Brennan begründet den Schritt mit einem gedämpften Ausblick für die Berichtssaison: Europas Softwarebranche werde im zweiten Quartal kein großer Kurstreiber sein. Andere Technologiesektoren seien derzeit stärker gefragt. Frischer Optimismus für Softwarewerte? Den haben Anleger gerade nicht eilig.

Das trifft eine Aktie, die technisch bereits stark angeschlagen ist. Der Schlusskurs vom Freitag liegt bei 52,60 Euro — nur 4,26 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 50,45 Euro. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt minus 33 Prozent.

Q1-Zahlen waren stark — helfen aber kaum

Operativ lieferte Nemetschek zuletzt solide Ergebnisse. Im ersten Quartal 2026 wuchs der Umsatz währungsbereinigt um 17 Prozent auf 313,1 Millionen Euro. Die SaaS-Umsätze legten währungsbereinigt um 35,4 Prozent zu. Das EBITDA stieg auf 98,4 Millionen Euro, die Marge erreichte 31,4 Prozent. Der Vorstand bestätigte die Jahresziele für Umsatz und EBITDA-Marge.

Starke Zahlen — die der Aktie bislang wenig halfen. Der nächste Unternehmens-Termin ist der Halbjahresbericht am 30. Juli 2026.

Makrodaten prägen die Richtung

Bis dahin fehlen unternehmensspezifische Impulse. Die kurzfristige Richtung hängt stärker von Makrodaten ab. Am 1. Juli veröffentlicht Eurostat die Schnellschätzung zur Inflation im Euroraum für Juni; im Mai lag die Rate bei 3,2 Prozent. Einen Tag später folgt der US-Arbeitsmarktbericht für Juni. Für zinssensitive Wachstumswerte wie Nemetschek sind beide Datenpunkte relevant.

Technisch bleibt der Bereich um 50,45 Euro die entscheidende Untergrenze. Hält sie, wäre das zumindest eine Stabilisierung. Der 50-Tage-Durchschnitt bei 61,45 Euro und der 200-Tage-Durchschnitt bei 78,78 Euro liegen weit entfernt. Einzelne Erholungstage reichen nicht — die Aktie braucht eine Serie belastbarer Anschlusskäufe, bevor sich das Bild dreht. Den Halbjahresbericht Ende Juli wird der Markt entsprechend genau beobachten.