Starke Quartalszahlen, schwacher Kurs. Bei Nemetschek klaffen operative Realität und Börsenstimmung derzeit weit auseinander. Die Aktie verlor allein seit Jahresbeginn fast 45 Prozent — obwohl das Unternehmen zuletzt kräftig gewachsen ist.

Technischer Druck verschärft sich

Am Mittwoch schloss die Aktie auf Xetra bei 52,05 Euro. Das entsprach einem Tagesverlust von 3,16 Prozent. Am Donnerstagmorgen rutschte der Kurs weiter auf 51,43 Euro.

Das charttechnische Bild trübt sich ein. Für den 25. Juni weist wallstreetONLINE ein „Bearish Inside Day“-Signal mit Einstufung „Sell“ aus. Auf Sieben-Tage-Sicht verlor die Aktie 5,70 Prozent. Über 30 Tage summierte sich das Minus auf fast 21 Prozent.

Operativ läuft es gut — der Markt ignoriert es

Das Paradoxe: Fundamental liefert Nemetschek. Im ersten Quartal 2026 wuchs der Umsatz währungsbereinigt um 17,0 Prozent auf 313,1 Millionen Euro. Subskriptions- und SaaS-Umsätze legten währungsbereinigt um 35,4 Prozent zu. Das EBITDA stieg um knapp 30 Prozent auf 98,4 Millionen Euro — die Marge lag bei 31,4 Prozent.

Besonders das Build-Segment zog an. Der Segmentumsatz kletterte währungsbereinigt um 29,8 Prozent auf 134,7 Millionen Euro. Das EBITDA dort wuchs um fast 49 Prozent auf 53,2 Millionen Euro. Der Quartalsüberschuss erreichte 60,4 Millionen Euro, das Ergebnis je Aktie 0,52 Euro.

Für das Gesamtjahr 2026 bestätigte der Vorstand ein organisches Umsatzwachstum von 14 bis 15 Prozent und eine EBITDA-Marge von 32 bis 33 Prozent.

Bewertungsprämie unter Beschuss

Kein Wunder, dass Anleger nervös reagieren. Europäische Softwaretitel mit hoher Wachstumsprämie stehen derzeit generell unter Druck. Starke SaaS-Kennzahlen und solide Margen reichen dem Markt offenbar nicht, um den Verkaufsdruck zu stoppen.

Die nächste Chance, das Vertrauen zurückzugewinnen, bietet die kommende Berichtssaison. Erst neue Quartalszahlen können zeigen, ob Nemetschek das Wachstumstempo hält — und ob der Markt das diesmal honoriert.