Starke Zahlen, schwacher Kurs. Nemetschek liefert im ersten Quartal 2026 das beste operative Ergebnis der Unternehmensgeschichte — und notiert dennoch auf einem neuen Jahrestief. Diese Schere zwischen Fundamentaldaten und Marktbewertung ist das eigentliche Thema hinter dem Kurssturz.

Absturz im Sog des Sektors

Am Freitag schloss die Aktie bei 56,65 Euro — ein Minus von 3,82 Prozent. Seit Jahresanfang hat der Kurs rund 37 Prozent verloren. Gegenüber dem 52-Wochen-Hoch von 137,90 Euro, erreicht im August 2025, beträgt der Abstand fast 59 Prozent.

Als Haupttreiber gilt der sogenannte „Oracle-Schock“ — eine Neubewertung europäischer Softwarewerte, die den gesamten Sektor erfasst hat. Nemetschek trifft das besonders hart. Die Aktie notiert rund 30 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 81,48 Euro.

Quartalszahlen sprechen eine andere Sprache

Das operative Bild ist klar positiv. Im ersten Quartal 2026 wuchs der Umsatz währungsbereinigt um 17 Prozent auf 313,1 Millionen Euro. Das EBITDA stieg überproportional: plus 29,6 Prozent auf 98,4 Millionen Euro. Der Gewinn je Aktie kletterte von 0,39 auf 0,52 Euro — ein Anstieg von 34,5 Prozent.

Das Geschäftsmodell skaliert. Die Margen verbessern sich. Und trotzdem fällt der Kurs.

Übernahme soll Marktposition ausbauen

Nemetschek plant die Übernahme von Heavy Construction Systems Specialists (HCSS). Das Unternehmen stärkt damit das Portfolio im Bereich Infrastruktursoftware und erschließt neue Kundensegmente. Den Abschluss erwartet das Management in der zweiten Jahreshälfte 2026.

Analysten sehen das Potenzial. Das Konsenskursziel liegt bei 93,38 Euro — rund 65 Prozent über dem aktuellen Kurs. Die Lücke zwischen Marktpreis und fundamentaler Einschätzung ist ungewöhnlich groß.

Den nächsten konkreten Prüfstein liefert der Halbjahresbericht im Juli 2026. Zeigt er erneut starkes Wachstum, wächst der Druck auf den Markt, die aktuelle Bewertung zu rechtfertigen.