Neo Performance Materials hat mit den Quartalszahlen die Erwartungen der Wall Street übertroffen – und wurde dennoch mit Kursverlusten abgestraft. Der Seltene-Erden-Spezialist meldete für das zweite Quartal einen Gewinn je Aktie von 0,51 US-Dollar, einen Cent über dem Analystenkonsens von 0,50 US-Dollar.

Der Umsatz lag mit 205,75 Millionen US-Dollar deutlich über den erwarteten 169,14 Millionen US-Dollar. Trotzdem gab die Aktie an der Nasdaq um 7,7 Prozent auf 26,15 US-Dollar nach.

Das Muster ist für Neo Performance in diesem Jahr kein neues: Bereits in den vergangenen Berichtsrunden hatten starke operative Zahlen wiederholt Gewinnmitnahmen ausgelöst statt Kursfeuerwerk. Im deutschen Handel gab die Aktie gestern um 7,4 Prozent auf 22,88 Euro nach – ein Kursverlauf, der die Reaktion an der Nasdaq spiegelt.

Analysten bleiben trotz Rücksetzer optimistisch

Die Reaktion der Analysten fiel deutlich positiver aus als die des Marktes. Stifel Nicolaus hob das Kursziel für die an der Toronto Stock Exchange gehandelte Aktie von 49,00 auf 55,00 kanadische Dollar an und bestätigte das Buy-Rating.

BMO ging mit einer Zielmarke von 60,00 kanadischen Dollar sogar noch weiter, ATB Cormark setzte das Ziel bei 53,50 kanadischen Dollar an. Der durchschnittliche Kurszielkonsens liegt bei umgerechnet 56,17 kanadischen Dollar, das Analystenurteil insgesamt bei „Strong Buy“.

An der Toronto-Börse notierte die Aktie zuletzt bei 37,23 kanadischen Dollar, nachdem dort ebenfalls Quartalszahlen mit einem Gewinn je Aktie von 0,73 kanadischen Dollar und einem Umsatz von 292,32 Millionen kanadischen Dollar veröffentlicht worden waren.

Die Diskrepanz zwischen robusten operativen Ergebnissen und fallenden Kursen deutet darauf hin, dass Anleger nach der starken Kursentwicklung der vergangenen Monate Gewinne mitnehmen, statt auf weiteres kurzfristiges Aufwärtspotenzial zu setzen.

Bewertung bleibt trotz Rücksetzer ambitioniert

Der Kursrutsch relativiert sich im längeren Vergleich: Seit Jahresbeginn steht die Aktie noch immer mit 136 Prozent im Plus, auf Zwölfmonatssicht mit 120 Prozent. Diese Kursentwicklung dürfte erklären, warum Investoren nach den jüngsten Zahlen eher zu Kasse machen neigen als nachzukaufen – wer seit Jahresbeginn dabei ist, sitzt trotz des jüngsten Einbruchs auf erheblichen Buchgewinnen.

Die Diskrepanz zwischen der Analystenmeinung und der Marktreaktion wirft für Anleger die zentrale Frage auf, wie tragfähig das aktuelle Bewertungsniveau ist. Die durchweg positiven Kurszielanhebungen mehrerer Häuser sprechen dafür, dass die fundamentale Wachstumsstory intakt bleibt.

Der wiederholte Muster von Kursrückgängen nach eigentlich starken Zahlen zeigt jedoch, dass ein Teil des Marktes das Bewertungsniveau nach der Rally bereits als ausgereizt betrachtet.

Ob sich die Aktie nach dem Rücksetzer stabilisiert oder der Abwärtsdruck anhält, dürfte sich in den kommenden Handelstagen zeigen, wenn sich die Reaktionen der institutionellen Investoren auf die Analysten-Kurszielanhebungen niederschlagen.