Nestle Aktie: Navratil greift durch

CEO Navratil führt radikales Bewertungssystem ein, das Top-Performer stark belohnt und schwache Leistungen hart sanktioniert. Die Börse honoriert den Umbau mit einem deutlichen Kursanstieg.

Nestle Aktie
Kurz & knapp:
  • Neues System mit sechs statt drei Leistungsstufen
  • Boni künftig an reales internes Wachstum geknüpft
  • Aktie legt nach Umbaumaßnahmen deutlich zu
  • Rückruf von Babynahrung belastet Quartalsergebnis

CEO Philipp Navratil zieht die Zügel straffer an. Mit einem radikal umgebauten Bewertungssystem macht der Konzernchef klar: Wer nicht liefert, spürt das künftig deutlich im Geldbeutel. Der Schritt markiert die nächste Stufe im umfassenden Konzernumbau – und die Börse scheint den Kurs der Härte zu honorieren.

Zuckerbrot und Peitsche

Der Schweizer Nahrungsmittelriese bricht mit alten Gewohnheiten und differenziert bei der Mitarbeiterbewertung künftig deutlich schärfer. Statt bisher drei gibt es nun sechs Leistungsstufen. Die Botschaft an die Belegschaft ist unmissverständlich: Top-Performer, die das Prädikat „exemplary“ erhalten, können mit bis zu 150 Prozent ihres Zielbonus rechnen.

Am anderen Ende der Skala wird die Luft dünn. Wer als „unsatisfactory“ eingestuft wird, erhält maximal die Hälfte der geplanten Prämie – oder geht im schlimmsten Fall komplett leer aus. Diese neue Härte flankiert den bereits im Oktober angekündigten Abbau von 16.000 Stellen. Anleger werten die gesteigerte Kostendisziplin und den Fokus auf Effizienz positiv: Die Aktie konnte in den letzten 30 Tagen um rund 14,8 Prozent zulegen und notiert aktuell bei gut 90 Euro.

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Wachstum als Pflicht

Besonders brisant ist eine neue Hürde im Vergütungssystem: der sogenannte „RIG Gatekeeper“. Boni fließen künftig nur noch, wenn ein Mindestmaß an realem internem Wachstum (RIG) erreicht wird.

Damit adressiert Navratil eine der größten Schwächen der letzten Jahre. Das Management zwingt die Führungskräfte faktisch dazu, den Fokus weg von reinen Preiserhöhungen hin zu echtem Volumenwachstum zu lenken. Dieser strategische Schwenk ist notwendig, da Preiserhöhungen in einem entspannteren Inflationsumfeld kaum noch als alleiniger Umsatztreiber fungieren können.

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Altlasten bremsen noch

Der kulturelle Umbau geschieht jedoch nicht ohne Störfeuer. Der massive Rückruf von Säuglingsnahrung wegen Toxin-Belastungen wirkt nach. Allein für das erste Quartal 2026 kalkuliert Nestle mit einem einmaligen Umsatzeffekt von rund 200 Millionen Schweizer Franken durch Retouren und Lieferengpässe.

Navratil setzt dennoch alles auf die Karte „Leistungskultur“. Mit dem laufenden Verkauf des Eiscreme-Geschäfts und der geplanten Abspaltung der Wassersparte (u.a. Perrier) bis 2027 wird der Konzern schlanker. Gelingt es, trotz der aktuellen Belastungen das organische Wachstumsziel mittelfristig wieder über 4 Prozent zu heben, dürfte die jüngste Kurserholung erst der Anfang gewesen sein.

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Über Felix Baarz 1903 Artikel
Mit über fünfzehn Jahren Erfahrung als Wirtschaftsjournalist hat sich Felix Baarz als Experte für internationale Finanzmärkte etabliert. Seine Leidenschaft gilt den Mechanismen globaler Finanzmärkte und komplexen wirtschaftspolitischen Zusammenhängen, die er für seine Leserschaft verständlich aufbereitet.In Köln geboren und aufgewachsen, entdeckte er früh sein Interesse für Wirtschaftsthemen und internationale Entwicklungen. Nach seinem Studium startete er als Wirtschaftsredakteur bei einer renommierten deutschen Fachpublikation, bevor ihn sein Weg ins Ausland führte.Ein prägendes Kapitel seiner Karriere waren die sechs Jahre in New York, wo er direkten Einblick in die globale Finanzwelt erhielt. Die Berichterstattung von der Wall Street und über weltweite wirtschaftspolitische Entscheidungen schärfte seinen Blick für globale Zusammenhänge.Heute ist Felix Baarz als freier Journalist für führende Wirtschafts- und Finanzmedien im deutschsprachigen Raum tätig. Seine Arbeit zeichnet sich durch fundierte Recherchen und präzise Analysen aus. Er möchte nicht nur Fakten präsentieren, sondern auch deren Bedeutung erklären und seinen Lesern Orientierung bieten – sei es zu wirtschaftlichen Trends, politischen Entscheidungen oder langfristigen Veränderungen in der Finanzwelt.Zusätzlich moderiert er Diskussionen und nimmt an Expertenrunden teil, um sein Wissen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Dabei liegt sein Fokus darauf, komplexe Themen informativ und inspirierend zu vermitteln. Felix Baarz versteht seine journalistische Aufgabe darin, in einer sich schnell wandelnden Welt einen klaren Blick auf wirtschaftliche Zusammenhänge zu ermöglichen und seine Leser bei fundierten Entscheidungen zu unterstützen – beruflich wie privat.