Netflix hat im zweiten Quartal 2026 mehr verdient als erwartet — und die Aktie fällt trotzdem zweistellig. Der Grund: Der Ausblick auf das laufende Quartal bleibt hinter den Erwartungen zurück, und genau darauf schauen Anleger derzeit offenbar stärker als auf die reine Gewinnzahl. Nachbörslich brach der Kurs um rund neun Prozent auf 67,62 US-Dollar ein.

Gewinn übertrifft, Umsatz knapp verfehlt

Das Ergebnis je Aktie lag bei 0,80 US-Dollar, deutlich über der Analystenschätzung von 0,786 US-Dollar und rund elf Prozent über dem Vorjahreswert. Beim Umsatz reichte es mit 12,56 Milliarden US-Dollar nicht ganz für die Konsensschätzung von 12,58 Milliarden — trotz eines Wachstums von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Die operative Marge rutschte leicht von 34,1 auf 33,4 Prozent.

Ausblick bremst die Fantasie

Für das dritte Quartal rechnet Netflix mit einem Umsatzwachstum von rund zwölf Prozent auf 12,86 Milliarden US-Dollar — der Markt hatte mit etwa 13 Milliarden kalkuliert. Auch das prognostizierte Ergebnis je Aktie von 0,82 US-Dollar liegt unter der Erwartung von 0,84 US-Dollar. Den Jahresausblick hat der Konzern zugleich verengt: Für 2026 werden nun 51,0 bis 51,4 Milliarden US-Dollar Umsatz erwartet, nach zuvor 50,7 bis 51,7 Milliarden, bei einer weiterhin angepeilten operativen Marge von 31,5 Prozent.

KI in 300 Titeln und Nachwehen des Warner-Deals

Co-Chef Ted Sarandos berichtete vor Analysten, dass Netflix in diesem Jahr bereits in rund 300 Produktionen Künstliche Intelligenz eingesetzt hat — etwa um Menschenmengen oder historische Schlachtszenen zu erzeugen, die sonst aus Kosten- oder Zeitgründen gar nicht gedreht worden wären. Zugleich betonte er, KI bleibe ein Werkzeug in der Hand kreativer Menschen. Im Hintergrund wirkt weiterhin der gescheiterte Übernahmekampf um Warner Brothers nach, den Netflix gegen Paramount verlor — im Februar erhielt der Konzern dafür eine Vertragsstrafe von 2,8 Milliarden US-Dollar, was die Steuerlast im abgelaufenen Quartal erhöhte. Hinzu kommen Marktforscherdaten, die auf sinkende Zuschauerzahlen ab der zweiten Staffel populärer Serien hindeuten — ein Trend, den Sarandos allerdings als im Jahresvergleich abgeschwächt einordnete.

Netflix reagiert auf die Debatte um Erfolgsmessung mit einer Transparenzänderung: Ab 2027 will der Konzern Angaben zu Sehstunden nur noch einmal jährlich statt wie bisher halbjährlich veröffentlichen und den Fokus stärker auf Umsatz und operatives Ergebnis legen. Das Management verweist zudem darauf, dass Sehstunden und Erlöse nicht zwingend direkt zusammenhängen — Live-Events etwa ziehen überdurchschnittlich viele Neukunden an, obwohl sie insgesamt weniger Zuschauerzeit generieren als reguläres Programm.