Netflix hält an seiner Streaming-Strategie fest, öffnet sich aber vorsichtig für die Leinwand. Parallel dazu hat der Konzern in wenigen Tagen sein Führungsteam umgebaut. Die Börse reagierte auf die Quartalszahlen trotzdem mit Abgaben.

Umbau an der Spitze

Vergangene Woche strich Netflix rund 1.000 Stellen, etwa sechs Prozent der Belegschaft. Programmchefin Bela Bajaria musste gehen, ebenso Filmchef Dan Lin. Neuer Chief Content Officer wird Peter Rice, der zuvor bei Disney Karriere machte.

Co-Chef Ted Sarandos winkte ab: Es brauche keine grundlegende Kursänderung, aber eine bessere Umsetzung in den USA. Es fehlten zuletzt Hits vom Kaliber „Stranger Things“ oder „Squid Game“. Sarandos sprach von soliden „Doubles und Triples“, gesucht seien mehr „Home Runs“.

Gleichzeitig wächst die Kinopräsenz. Für 2027 sind rund 30 Kinostarts geplant, so viele wie 2026. Greta Gerwigs „Narnia“-Verfilmung soll im Februar breit starten, mit einem exklusiven Kinofenster von etwa 45 bis 49 Tagen. Zudem will Netflix Einspielergebnisse für Filme mit längerer Kinoauswertung veröffentlichen.

Wells-Fargo-Analyst Steven Cahall dämpft die Erwartungen. Für einen echten Kinovertrieb brauche es Teams, eine passende Pipeline und eine Marketingabteilung. Nach dem gescheiterten Kauf des Warner-Studios fehlt Netflix diese Infrastruktur. Cahall stellt gar die Frage, ob Netflix zum Medienkonzern werden will.

Zahlen mit Beigeschmack

Das dritte Quartal fiel solide aus. Der Umsatz stieg um zwölf Prozent, der Gewinn legte um rund 44 Prozent zu. Es war allerdings der schwächste Umsatzzuwachs seit drei Jahren. Die operative Marge lag bei 34,6 Prozent.

Belastend wirkte der Ausblick. Die Prognose für das vierte Quartal liegt unter den Erwartungen. Das Werbeumsatzziel für 2026 sinkt auf rund 2,7 Milliarden Dollar, zuvor waren es 3,0 Milliarden. Der Grund sind verzögerte Rollouts. Der freie Cashflow fällt wegen des geplanten Kaufs des Radford-Studiogeländes um 500 Millionen Dollar niedriger aus, was die Deutsche Bank als Einmaleffekt einordnet.

Die Aktie gab am Mittwoch zeitweise mehr als fünf Prozent nach und notierte bei rund 65 Dollar, nahe dem Jahrestief. Seit Jahresbeginn beträgt das Minus etwa 30 Prozent.

Analysten bleiben an Bord

Das Analystenbild ist erstaunlich stabil. Die Kursziele liegen zwischen 80 und 100 Dollar:

  • UBS senkt von 115 auf 100 Dollar, „Buy“
  • TD Cowen bleibt bei 100 Dollar
  • Deutsche Bank bleibt bei 93 Dollar
  • Evercore kappt auf 90 Dollar
  • Bernstein senkt auf 80 Dollar

Alle Häuser behalten ihre positiven Einstufungen. Churn und Preissetzungsmacht halten, zudem trägt das internationale Geschäft. In Indien stieg die Sehzeit um 24 Prozent. Bernstein sieht vor Jahresende dennoch keinen klaren Kurstreiber und nennt 2027 als offene Frage.

Der nächste Prüfstein sind die Zahlen zum vierten Quartal, voraussichtlich am 26. Januar 2027. Dann legt Netflix auch den Ausblick für 2027 vor.