Netflix liefert starke Quartalszahlen und wird dafür nachbörslich abgestraft. Die Aktie fiel zuletzt um rund sechs Prozent auf etwa 64,60 Dollar und rutschte damit knapp unter ihr Jahrestief von 65,08 Dollar. Auslöser sind ein schwächerer Ausblick und ein gekürztes Werbeziel.

Gewinn über den Erwartungen, Prognose darunter

Der Gewinn je Aktie lag im dritten Quartal bei 0,87 Dollar, erwartet worden waren 0,82 Dollar. Der Umsatz wuchs um knapp 12 Prozent auf 12,9 Milliarden Dollar und entsprach der eigenen Prognose. Die operative Marge sprang auf 34,6 Prozent, nach 28,2 Prozent im Vorjahresquartal. Der Konzern verwies vor allem auf die zeitliche Verschiebung von Ausgaben.

Für das vierte Quartal stellt Netflix 13,4 Milliarden Dollar Umsatz in Aussicht. Der Markt hatte mit rund 13,5 Milliarden gerechnet. Die geplante Marge von 26 Prozent enthält zudem eine Belastung von etwa 120 Basispunkten durch den jüngsten Stellenabbau.

Werbegeschäft hinkt dem Plan hinterher

Schwerer wiegt die Korrektur bei der Werbung. Für 2026 erwartet Netflix nur noch rund 2,7 Milliarden Dollar Werbeumsatz statt zuvor etwa 3 Milliarden. Als Grund nennt das Unternehmen einen etwas langsameren Start einiger Werbeprodukte und verzögerte Partnerintegrationen. Co-CEO Greg Peters räumte ein, man liege „ein Stück hinter dem ambitionierten Ziel“, das Geschäft wachse aber weiter um mehr als 80 Prozent.

Wedbush bleibt bei „In Line“ mit einem Kursziel von 75 Dollar. Die Analysten halten fest, die Ausweitung des Werbetarifs auf 15 weitere Länder im Jahr 2027 erhalte die langfristige Chance, verschiebe aber den Zeitpunkt, an dem Werbung zum echten Gewinntreiber wird. Mehr Zuversicht gäbe es bei nachhaltigem Engagement pro Mitglied und einem planmäßig skalierenden Werbegeschäft.

Unruhe im Management

Die Zahlen treffen auf ein angespanntes Umfeld. Netflix strich zuletzt rund 1.000 Stellen, etwa 6 Prozent der Belegschaft, und ersetzte Content-Chefin Bela Bajaria durch den früheren Disney-Manager Peter Rice. Die Aktie hat seit Jahresbeginn etwa ein Viertel an Wert verloren. Im Aktionärsbrief räumt das Management Sorgen um das Wachstum der Sehstunden ein, genannt werden Konkurrenz durch YouTube und ein als schwächer wahrgenommenes Programm.

Positiv fiel die Kundenbindung aus. Die Abwanderung sank weltweit und in den USA im Jahresvergleich, und die Preiserhöhungen verliefen laut Management wie erwartet. In Indien legten die Sehstunden um 24 Prozent zu. Zudem kaufte Netflix im Quartal eigene Aktien für 4,8 Milliarden Dollar zurück, so viel wie nie zuvor.

Eine Prognose für 2027 liefert das Unternehmen im Januar, dann auch mit Margenziel. Das vierte Quartal bringt zunächst die bislang größte Live-Staffel mit drei NFL-Spielen und dem Boxkampf Fury gegen Joshua.