Reed Hastings verlässt die Kommandobrücke. Der Mitbegründer zieht sich endgültig aus dem Verwaltungsrat zurück. Damit endet bei Netflix eine fast drei Jahrzehnte währende Ära.

Strategiewechsel unter neuer Führung

Jay Hoag übernimmt den Vorsitz. Hastings hatte seinen Abschied bereits im April angedeutet. Der Wechsel erfolgt in einer Phase, in der die Branche mit spürbarem Gegenwind kämpft.

Die Aktie erholte sich am Freitag um rund vier Prozent auf 64,88 Euro. Zuvor verlor das Papier innerhalb eines Monats fast 14 Prozent an Wert. Der Abverkauf spiegelt die Skepsis über das nachlassende Nutzerwachstum wider.

Die annualisierte Volatilität liegt aktuell bei rund 30 Prozent. Mit einem Relative-Stärke-Index von 35,6 gilt der Titel technisch als überverkauft. Das weckte am Markt offenbar erstes Kaufinteresse.

Parallel dazu kühlt sich das Wachstum der Abonnentenzahlen ab. Im Jahr 2024 verzeichnete Netflix noch 41 Millionen Neukunden. Ein Jahr später sank dieser Wert auf 23 Millionen.

Offensive im Werbegeschäft

Zusätzliche Vorsicht löste die gescheiterte Übernahme von Warner Bros. Discovery aus. Investoren reagierten zurückhaltend auf den geplatzten Deal. Das Management setzt nun verstärkt auf interne Erlösquellen.

Netflix forciert massiv sein Werbegeschäft. Mehr als 60 Prozent der Neukunden wählen mittlerweile das günstigere Abo-Modell. Bis Ende 2026 soll dieser Bereich drei Milliarden Dollar Umsatz beisteuern.

Dafür nutzt der Konzern verstärkt künstliche Intelligenz. Eine neue Partnerschaft mit der Omnicom Media Group soll die Vermarktung zusätzlich beschleunigen. Das Ziel ist eine stärkere Personalisierung der Anzeigen.

Im ersten Quartal stieg der Umsatz um 16 Prozent auf 12,25 Milliarden Dollar. Der Gewinn je Aktie lag mit 1,23 Dollar über den Markterwartungen. Für das Gesamtjahr rechnet das Management mit einem Plus von bis zu 13 Prozent.

Die Mehrheit der Experten bleibt optimistisch. Von 50 Analysten raten 37 zum Kauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 114,56 Dollar.

Im Juli stehen die nächsten Quartalszahlen an. Dann muss der Konzern beweisen, ob die operativen Margen stabil über 30 Prozent bleiben.