Netflix-Aktien legten am Dienstag im Tagesverlauf um gut zwei Prozent zu und erreichten zeitweise 81,74 Dollar. Auslöser war eine Kurszielanhebung von Wolfe Research, die zusammen mit Spekulationen über ein neues Geschäftsmodell frischen Rückenwind lieferte.
Analyst sieht Schwäche als Timing-Problem
Wolfe-Analyst Peter Supino hob das Kursziel von 84 auf 95 Dollar an und bestätigte die Einstufung „Outperform“. Seine Begründung: Die schwachen Nutzerzahlen des zweiten Quartals — mit geschätzten 900.000 neuen Abonnenten das schwächste Wachstum seit Jahren — seien nicht auf nachlassende Nachfrage zurückzuführen.
Vielmehr habe die Terminierung neuer Inhalte den Rückgang der Sehstunden bei den Top-10-Titeln verursacht. Ein stärkeres Programm in den kommenden Monaten sowie der wachsende Beitrag von Live-Formaten sprächen für eine Erholung.
Die Einschätzung fällt in eine Phase, in der Netflix-Aktien binnen zwölf Monaten rund ein Drittel ihres Wertes verloren hatten und erst kürzlich von einem 52-Wochen-Tief bei 65,08 Dollar aus wieder anzogen. Die Erholung gewann bereits Mitte August an Fahrt, als Investor Bill Ackman einen Einstieg bei Netflix offenlegte.
Netflix als Streaming-Hub?
Parallel zur Analystenreaktion sorgte ein Bericht für Aufmerksamkeit, wonach Netflix erwägt, seine Plattform zu einem Sammelpunkt für konkurrierende Streaming-Abos umzubauen. Nutzer könnten demnach künftig Abonnements von Diensten wie Disney Plus direkt über die Netflix-App kaufen und verwalten.
Die Idee erinnert an das Aggregator-Modell, das Amazon und Apple bereits mit ihren Plattformen verfolgen — für Netflix könnte sie zusätzliche Transaktionserlöse und mehr Verweildauer in der App bedeuten. Offizielle Pläne oder ein Starttermin nannte das Unternehmen bislang nicht.
Der breitere Markt bot am Dienstag ebenfalls Unterstützung: Der Nasdaq Composite legte um 0,56 Prozent zu, der S&P 500 um 0,22 Prozent. Netflix übertraf beide Indizes deutlich, ein Hinweis darauf, dass die Kursbewegung vor allem unternehmensspezifische Gründe hatte.
Nebenbei wurde bekannt, dass Netflix zuvor selbst als Bieter für Roku aufgetreten war, den Zuschlag aber an Fox Corporation verlor, die Roku für 160 Dollar pro Aktie übernimmt. Für Netflix bleibt damit die organische Content-Strategie und die mögliche Öffnung der Plattform für Drittanbieter der entscheidende Hebel, an dem sich die nächsten Quartalszahlen messen lassen müssen.
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