Netlist verschärft seinen juristischen Feldzug gegen die Speicherbranche. Die US-Handelskommission ITC hat am Freitag offiziell eine Untersuchung eingeleitet (Verfahren Nr. 337-TA-1414), die auf eine Beschwerde von Netlist wegen Patentverletzungen bei DDR5-Speichermodulen zurückgeht. Damit nimmt ein Verfahren Fahrt auf, das weit über den bekannten Rechtsstreit mit Micron hinausreicht.
Vier Konzerne im Visier
Netlist hatte Mitte August eine förmliche Beschwerde beim ITC eingereicht und darin Ausschluss- sowie Unterlassungsverfügungen gegen Micron Technology, Super Micro Computer, Hewlett Packard Enterprise und Lenovo beantragt. Grundlage sind vier Patente rund um DDR5-RDIMMs und MRDIMMs.
Die nun bestätigte Untersuchung ist der erste formale Schritt der Behörde, dem Verfahren nachzugehen – ein Novum in seiner Breite, da Netlist erstmals nicht nur einen einzelnen Speicherhersteller, sondern gleich mehrere große Abnehmer und Serverhersteller ins Visier nimmt.
Parallel dazu läuft der ältere Konflikt mit Micron weiter. Ein Gericht in Delaware bestätigte am Montag, dass beide Seiten die Frist für die Vorlage zentraler technischer Unterlagen und Verkaufszahlen einvernehmlich auf den 30. September verschoben haben.
Der 2024 gegen Micron verhängte Schadenersatz in Höhe von 445 Millionen US-Dollar wegen vorsätzlicher Verletzung zweier Patente bleibt derweil vor dem Bundesberufungsgericht anhängig, nachdem Microns Anträge auf ein neues Verfahren bereits im vergangenen Jahr abgelehnt worden waren.
Geschäftszahlen liefern Rückenwind
Die juristische Offensive fällt in eine Phase operativer Stärke. Im zweiten Quartal 2026 steigerte Netlist den Umsatz um 163 Prozent auf 109,8 Millionen US-Dollar und übertraf damit die Erwartungen der Analysten ebenso wie beim bereinigten Ergebnis je Aktie.
Für das Geschäftsjahr 2027 rechnen Analysten laut Medienberichten mit einem Pro-forma-Nettogewinn von 165 Millionen US-Dollar, getragen von margenstarken Lizenzeinnahmen und einer jährlichen Speicherlieferung von Samsung im Volumen von 300 Millionen US-Dollar.
Diese Aussicht speist sich aus der im August geschlossenen Vereinbarung mit Samsung Electronics, die eine Vorab-Lizenzgebühr sowie über die Laufzeit von fünf Jahren zusätzliche Zahlungen von bis zu 550 Millionen US-Dollar vorsieht.
Ergänzend hatte sich die Samsung-Tochter SSI im Rahmen einer Einigung verpflichtet, zehn Millionen Netlist-Aktien zu einem deutlich unter dem Marktpreis liegenden Kurs zu erwerben, gebunden an eine fünfjährige Haltefrist mit jährlicher Freigabe von einem Fünftel der Papiere.
Kurs nahe Rekordniveau, Bewertung angespannt
Die Netlist-Aktie notiert aktuell bei 6,77 US-Dollar und damit nur 3,3 Prozent unter ihrem am 17. August markierten 52-Wochen-Hoch von 7,00 US-Dollar. Der Titel liegt derzeit gut 81 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 3,75 US-Dollar – ein Ausmaß, das die Dynamik der vergangenen Wochen unterstreicht.
Gemessen am Kurs-Umsatz-Verhältnis von 7,2 liegt Netlist mittlerweile deutlich über dem Branchenschnitt der US-Elektronikindustrie von 2,8, was die hohen Erwartungen an den Ausgang der laufenden Patentverfahren widerspiegelt.
Dass Finanzvorständin Gail M. Sasaki Mitte August 100.000 Aktien im Rahmen eines im Vorjahr eingerichteten automatisierten Handelsplans veräußerte, ändert an diesem Bild wenig – der Verkauf erfolgte planmäßig und lange vor der jüngsten Verfahrensausweitung.
Für Anleger bleibt die Kernfrage, ob sich die milliardenschweren Ansprüche gegen Micron, Supermicro, HPE und Lenovo tatsächlich in klingende Lizenzzahlungen übersetzen lassen – der Ausgang der neuen ITC-Untersuchung dürfte dafür in den kommenden Monaten richtungsweisend sein.
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