Heute beginnen in West Virginia die ersten öffentlichen Anhörungen zu NextEras geplantem Hochspannungsprojekt MidAtlantic Resiliency Link. Über 4.600 Einsprüche liegen bereits bei der Regulierungsbehörde. Das ist kein kurzfristiges Ertragsproblem — aber es zeigt, wie schwer es für US-Versorger ist, große Infrastrukturprojekte durch staatliche Genehmigungsverfahren zu bringen.
107 Meilen, vier Bundesstaaten, massiver Widerstand
NextEra Energy Transmission hat im Januar eine 107,5 Meilen lange 500-kV-Leitung beantragt. Die Trasse soll von Pennsylvania durch West Virginia bis nach Virginia führen. Der West-Virginia-Abschnitt verläuft durch vier Landkreise und misst knapp 59 Meilen.
Die Behörde, die Public Service Commission of West Virginia, hält vier Anhörungen ab. Den Auftakt macht heute Keyser, es folgen Romney am 5. Juni, Morgantown am 10. Juni und Kingwood am 11. Juni. Alle Sitzungen beginnen um 17:30 Uhr Ortszeit.
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Der Widerstand ist greifbar. Bis Dienstagnachmittag gingen 4.667 Einsprüche ein — und nur 116 Unterstützungsschreiben. Die Bürgerinitiative „West Virginians Against Transmission Infrastructure“ mobilisiert aktiv gegen das Projekt.
Datenzentren als Reizthema
NextEra argumentiert, die Leitung stärke die regionale Netzstabilität und schaffe Bauarbeitsplätze in West Virginia. PJM Interconnection, der zuständige Netzbetreiber, hatte das Projekt 2023 als Teil eines Maßnahmenpakets zur regionalen Versorgungssicherheit ausgewählt.
Gegner sehen das anders. Sie kritisieren das Vorhaben als Infrastruktur, die vor allem Virginias Rechenzentren zugutekäme — nicht West Virginia selbst. Das ist ein politisch wirksames Argument in einer Region, die für externe Großprojekte wenig Geduld aufbringt.
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Der Genehmigungsweg ist lang. NextEra hat in allen vier betroffenen Bundesstaaten Anträge gestellt. Jede staatliche Behörde plant ein bis zwei Jahre für die Prüfung. Staatliche Genehmigungen erwartet das Unternehmen frühestens Anfang 2028, Baubeginn wäre Ende 2029, Inbetriebnahme Ende 2031.
Aktie unter Druck
Die Kursperformance spiegelt das schwierige Umfeld. NextEra notiert aktuell bei 72,62 Euro — rund 13 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 83,35 Euro, das Ende April erreicht wurde. Auf Monatssicht verlor die Aktie knapp 12 Prozent.
Für Investoren ist die Anhörungsreihe kein Quartalsereignis. Sie ist ein Stresstest für NextEras Fähigkeit, komplexe Genehmigungsverfahren zu managen — gegen lokalen Widerstand, unter Beobachtung mehrerer Regulierungsbehörden, mit einem Projekthorizont bis 2031. Wie die Behörde in West Virginia letztlich entscheidet, dürfte frühestens 2027 oder 2028 feststehen.
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